Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 15. Juni 1880

Potsdam 15 Juni

1880.

Lieber Ernst!

So sehr ich mich meinerseits freue, Agnes mit den Kindern in den Ferien hier zu sehen, so sind mir doch in der letzten Zeit erhebliche Bedenken dagegen aufgestiegen, ob die Zeit dazu geeignet ist. Anna geht mit meinen 4 Jungen bereits am 7t Juli nach Heringsdorf. Nur Marie bleibt zurück. Ich selbst gehe am 15 Juli den Kindern nach, und werde ohnehin stark besetzt, wohl grad in der letzten Woche recht ordentlich zu thun haben. Es ist also nur Marie, die sich mit den Kindern abgeben und allenfalls auch, – wenn Mutter es zuläßt – ihr in der Wirthschaft helfen kann. Dazu ist Mutter doch grade in den letzten Monaten oft recht kaput u. hinfällig gewesen. Ich fürchte – offen gesagt – es geht über ihre Kräfte, wenn sie jetzt den versprochenen Besuch bekommt, zumal ohne Dich, der Du bei Deiner Mitanwesenheit so manches in die richtigen Wege leiten kannst, was sonst zu Collisionen Veranlassung giebt. Mutter selbst, der ich meine Bedenken mittheilte, muß dieselben anerkennen, will || aber in keinem Falle abschreiben und freut sich aufrichtig auf Agnes u. die Kinder. Ich schreibe dies, ohne daß sie davon weiß. Könntest Du es nun nicht ein so einrichten, daß Du, etwa in den Herbstferien Deiner Kinder, die Familie selbst hierher brächtest u. mit derselben hier wärest? Ueberlege Dir das mal mit Agnes. Änderst Du den Plan, so kannst Du ja Muttern abschreiben, weil der es in mancher Beziehung später besser passe und Du gern mit den Deinigen hier sein möchtest.

– In deiner Hypotheken Angelegenheit ist dieser Tage, da Mutter keine Ruhe hatte, an Papieren noch so viel verkauft als erforderlich ist, um das Darlehen der 36 mille Mk zu geben.

Die Vollmacht für Theodor Bleek sende ich ihm nur nach Lippstadt; ist er schon in Minden, wird ihm der Brief nachgesandt. Ich habe ihm geschrieben, er müsse sich wiederwählen lassen. Von Tante Bertha sind gute Nachrichten aus Münster a/St. wo sie nun seit 14 Tagen ist. Die Kinder sind munter u. grüßen. Von den auswärtigen Söhnen habe ich gute Nachricht. Mit herzlichem Gruß von Haus zu Haus Dein

Karl.

a Beiliegende Ausschnitte schickte mir neulich Hermann! – Ist die Geschichte mit dem Dr. Rudolph wahr? –

b Heinz wirthschaftet tüchtig in den Kliniken. Er ist amanuensis bei Kussmaul’s Assistenten.

a weiter am Rand v. S. 2: Beiliegende Ausschnitte schickte... Dr. Rudolph wahr? –; b weiter am Rand v. S. 1: Heinz wirthschaftet tüchtig...bei Kussmaul’s Assistenten.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-06-1880
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35103
ID
35103