Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 12. August 1878

Potsdam

12 August Vorm.

10 Uhr

Lieber Bruder!

Gestern Abend war ich bei Mutter, die bis jetzt nicht gelegen hat und den Umständen nach sich leidlich befindet. Sie freute sich sehr, daß ich wieder hier bin. Ebmeier, den ich soeben sprach, meint Du könntest unbedenklich reisen. Er glaubt nicht, daß ein weiterer ungünstiger Verlauf der Krankheit eintreten werde, sondern nimmt an, daß dieselbe im Abnehmen sei. Schmerzen hat Mutter allerdings noch viel. Dieselben beschränken sich jedoch || auf die linke Kopfseite, Schultera und Arm.

Schreibe mir aber jedenfalls von Frankfurt, Paris u. der Normandie nur immer sofort, wo u. wie lange Du Dich dort aufhältst, damit ich Dir, wenn sich unversehens etwas ändert, telegraphiren kann.

Die Tage in Ilmenau waren doch sehr nett u. erquickend und ich danke Dir dafür recht herzlich. Die Anlegung des Honorars besorge ich nächster Tage.

Ich eile zum Schlußb, da ich zum Gerichte muß. – Hier bin ich gestern programmmäßig angekommen, || nachdem ich Gude in Magdeburg 2 Stunden gesprochen. Er war wieder in einem beklagenswerten Zustande u. wollte demnächst wieder nach Wernigerode zu seiner Schwester; wegen Schlaflosigkeit hat er auf unbestimmte Zeit Urlaub.

Grüße Frau und Kinder recht herzlich u. laß vor Deiner Abreise noch was von Dir hören.

Dein treuer Bruder

Karl.

P.S. 11 Uhr

Eben Mutter gesprochen. Sie krabbelte in der Küche herum u. fühlte sich wohler als gestern Abend. Sie bittet Dich, jetzt nicht hieher zu kommen, sondern erst im October nach Deiner französischen Reise

Dein C. Hkl.

a korr. aus: Schultze; b korr. aus: Ge

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
12-08-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35094
ID
35094