Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 12. Februar 1878

Potsdam

den 12 Febr.

1878.

Lieber Bruder!

Unser Mutterchen liegt seit gestern krank. Sie hatte schon vor c. 8 Tage den Hacken mit einem neuen Schuh aufgerieben. Die Wunde eiterte und der Fuß schwoll etwas an. Sie hielt sich zu Hause, machte aber nicht viel daraus. Am Sonntag Abend war ich mit den Töchtern bei ihr zum Thee. Sie lief noch gut umher, klagte aber über Schmerzen bis in die Hüfte. ||

Ich veranlaßte gestern Ebmeier, heut herzukommen. Inzwischen hat aber Mutter gestern Nachmittag einen starken Fieberanfall mit Erbrechen gehabt. Sie ließ uns nichts davon sagen. Erst heut früh erfuhr ich es, ging sogleich hin und Ebmeier kam dann auch bald. Er hat Bleiwasserumschläge u. schmale Diät verordnet. Den Tag über hat Mutter ruhig gelegen, meist wachend. Die Vorige Nacht hat sie ordentlich geschlafen und ich fand sie früh aufsitzend. Den Nachmittag ist aber wieder || mehr Hitze da. Die Töchter sind abwechselnd hier und ich habe eben 2 Stunden lang hier meine Akten traktirt.

Ich schreibe Dir offen, wie es steht, weil man bei Mutter’s Alter nie wissen kann, wie so etwas verläuft. Es scheint mir eine a Lymphfader-b Entzündung mit im Spiele, wiewohl Ebmeier sich nicht bestimmt äußerte.

Du sollst täglich Nachricht erhalten u. wenn’s Eile hat, telegraphire ich.

Herzliche Grüße von

Deinem Karl.

cPS. Morgen will Ebmeier, der eben da war, [das] Bein darauf noch genauer untersuchen.

a gestr.: Venen; b eingef.: Lympfader; c weiter am Rand v. S. 3.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
12-02-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35089
ID
35089