Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 8. April 1877

Potsdam

8 April 77 Abds .

Lieber Bruder!

Heute muß ich mich kurz fassen; nach reich durchlebten 24 Stunden komme ich eben erst dazu, Dir mitzutheilen , daß Clar a mir heut früh 2 Uhr einen kräftigen Jungen geschenkt hat. Wir rechneten erst auf Mai. Aber der Junge ist vollständig . Seit gestern Ab en d 7 Uhr spielte die Geschichte. Früh ½ 4 Uhr bin ich erst ins Bett gekommen. Nun wollen wir nur wünschen, daß Clara gesund u. das Kindchen uns erhalten bleibt.

Unsern Heinrich lasse ich nun bestimmt nach Heidelberg gehen. In 14 Tagen wird er wohl fort sein. Ich hatte, da ich nicht wußte , wann ich von Dir Antwort erhalten könne, auch an Gegenbaur geschrieben u. auch dieser rieth dazu. Deine Bemerkung: „ich würde doch wahrscheinlich das Gegentheil von dem || thun , was Du riethest “, war recht müßig u. unbedacht. Du solltest Aeußerungen , die mündlich sich leicht wider legen lassen, schriftlich aber zu n ur unliebsamen Erörterungen führen, nicht a so leicht hinwerfen. Ich habe Dir dazu wahrlich keine Veranlassung gegeben.

Doch genug davon. Es freut mich, daß Dir’s dort gut geht. Du scheinst mir von den neuen Bekanntschaften ordentlich verhätschelt zu werden. Die Exkursionen, die Du mit der Herzogin gemacht, scheinen ja sehr interessant gewesen zu sein. Bei uns ist seit einigen Tagen auch voller warmer Frühling eingekehrt.

Das von Mutter besehene Quartier eignet sich, auch nach T ante Bertha’s Meinung, die gestern hier war, für sie; wenn es zwar auch seine Mängel haben mag. Eine Verbess rung scheint es gewiß zu sein.

Nun wünsche ich Dich [ ! ] noch einen recht angenehmen Rest- Aufenthalt in Corfu . Deiner Frau habe ich heut durch Anna das neue Ereigniß melden lassen.

Mit herzl ichem Gruß

Dein treuer

Bruder C. Haeckel

a eingef .: nicht

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
08-04-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35085
ID
35085