Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 29. Juli 1877

St. Peter bei Hohenelbe in Boehmen

d. 24 Juli 1877

bei „Benjamin Hollmann

Lieber Bruder!

Seit Freitag Nachmittag sitze ich hier nachdem ich vorher mit den Schlesischen Verwandten einige nette Tage zugebracht habe. Die schöne Gebirgsluft und das tüchtige Laufen (ich streiche einsam umher) bekommen mir sehr wohl. Aber ich weiß nicht, wie Mutter Dir einen Besuch von mir in Jena hat in Aussicht stellen können. Den kurzen Urlaub von 3 Wochen könnte ich mir nur dann zerreißen, wenn es hier unausstehlich schlechtes Wetter wäre, was aber durchaus nicht der Fall ist. Zudem kommen gegen || Ende der Woche Kitte aus Breslau u. Esmarch aus Prag hierher, (letztrer auf 1 Tag), so daß ich auch gar nicht einmal hier weg kann. Ich gehe über Flinsberg zurück, wo ich Dr. Doering’s besuchen will.

Vielleicht macht sich’s möglich, daß ich im Herbst oder Spätherbst auf ein Paar Tage zu Euch komme.

Nimmst Du denn Agnes mit nach München? Ich wünschte es ihr u. Dir recht, wenn Du unterdeß die Kinder unterbringen kannst. Man weiß nie, wann man eine solche Reise wieder zusammen unternehmen kann, drum – die Gelegenheit ergreifen!

Du willst oder sollst in München einen Vortrag halten? Mach’s nicht zu schlimm mit der Polemik – mäßige Dich, Du richtest nichts damit aus; u. beiße nicht so um Dich. – Von Hause habe ich bis jetzt gute Nachricht. Bis zum 8t denke ich hier zu bleiben. Dann nach Flinsberg und über Hirschberg nach Hause.

Herzlichen Gruß

Dein | Karl

aHeinz wird Dich wohl auf dem Rückwege von Stuttgart und Tübingen heimsuchen. Kannst Du ihm mit Büchern unter die Arme greifen, so nehme ich es dankbar an. ‒

a weiter am Rand v. S. 1: Heinz wird Dich...es dankbar an. ‒

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
29-07-1877
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35081
ID
35081