Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 11. Juli 1875

Potsdam 11 Juli 1875.

Lieber Bruder!

Gestern war ich mit Heinrich u. Helene in Frankfurt, wo wir nach letztwilligen Bestimmungen von Mutter Mienchen suchten und solche sich auch nach längerem Suchen in ihrem Geldspinde fanden. Dieselben waren versiegelt u. beabsichtigen Heinrich, der sie an sich genommen hat, u. ich sie heut über 8 Tage zu öffnen, sobald wir die nöthigen Vollmachten haben. Ich sende Dir deshalb die Anlage mit der Bitte:

solche auf dem Justizamte oder vor Notar in Gegenwart desa betreffenden b Beamten mit Datum u. Unterschrift zu versehen und die Unterschrift beglaubigen zu lassen, sodann aber mir die Vollmacht zu übersenden (recommandirt). (Mußt Du ein Objekt angeben wegen der Kosten, so sage und unschätzbar: mindestens 5000 ₰)c

Was zu theilen ist, darüber sende ich Dir nächstens das Verzeichniß. Die Theilung selbst wird im September oder Oktober stattfinden; wahrscheinlich schon im September um die Wohnung zum 1 October räumen zu können.

Bei Scheller’s aßen wir zu Mittag und wurden sehr herzlich aufgenommen. Sie lassen Dich u. Mutter bestens grüßen. Um 5 ¼ Uhr fuhren wir wieder ab u. ½ 10 Uhr war ich zu Hause. ||

Der Theilung der Mobilien denken wir der Kürze halber die Taxe, welche im Jahr 1857. nach Vater Christians Tode aufgenommen und nur in wenigen Stücken zu ergänzen ist, zum Grunde zu legen.

Die zahlreichen Bergwerksantheile (Kuxe) von verschiedenen bergmännischen Unternehmungen werden wir vorläufig noch in Gemeinschaft behalten müssen, da d für jetzt und die nächste Zeit keine günstige Zeit zur Veräußerung da ist, füre dieselben auch ein angemessener Taxwerth (zur Uebernahme Seitens eines der Erben) kaum wird ermittelt werden können.

Was die Westphalia-Anleihe betrifft, so schreibe ich Dir sobald ich von Bleek Nachricht habe.

Mutter danke recht schön für ihre Briefe u. bitte sie, mit ihrer Erklärung an die Westphalia noch zu verziehen.

Unser Hermann wird nun wohl morgen bei Euch sein. Heute erhielten wir seine Postkarte vom Inselsberg; ich denke mir die Herren Gärtner werden wohl von Jena direkt nach Hause kommen, Mangels des Reisegeldes.

Ade, herzlichen Gruß

Dein

Karl.

a korr. aus.: der; b gestr.: Person; c eingef. am Rand v. S. 1: Mußt Du ein...unschätzbar: mindestens 5000 ₰); d gestr.: vorläufi; e eingef.: für

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
11-07-1875
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35070
ID
35070