Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 15. Mai 1874

Potsdam 15 Mai 74

Liebes Bruderherz!

Wir freuen uns sehr, daß wir hoffentlich – wenn nicht noch was dazwischen kommt – Euch auf 8 Tage, vom Donnerstag den 21st dieses Monats ab, a in Jena werden heimsuchen können. Wir denken am Donnerstag über Magdeburg-Halle zu fahren u. werden daher wohl erst mit dem um 5 Uhr Nachmittags in Jena ankommenden Zuge bei Euch eintreffen. Bis Magdeburg haben wir beide die Fahrt frei u. fahren deshalb nicht über Berlin-Halle.

Sehr hübsch wäre es, wenn Du u. Agnes Euch während unsres Dortseins auf 2-3 Tage losmachen und mit uns einen Ausflug nach Ziegenrück resp. Schwarzburg machen könntet. Ich denke Clara die Gegend um Ziegenrück jedenfalls zu zeigen.

Mir thut Ausspannen recht Noth, wie wohl ich mich jetzt besser als vor 14 Tagen befinde. Mein Unwohlsein bei Deinem Hiersein war, wie || sich nachher ergeben hat, nicht reine Erkältung, sondern damit verbundne Hämorrhoidal-Beschwerden, die sich 14 Tage darauf wiederholten u. mich gemahnt haben, mir mehr Bewegung und Erholung zu gönnen. Dazu sollen dann auch die 8 Freitage zu Pfingsten angewandt werden u. ich hoffe, wir werden sie zusammen recht froh erleben.

– Heute Nachmittag fahre ich zum Begräbnis vom alten Aegidi herüber, der fast 80 Jahr geworden ist. Er wird in Berlin beigesetzt. Er war doch ein geistig recht frischer u. bedeutender Mann, mit dem wir in Freienwalde gern verkehrten.

Ade. Mutter und Clara lassen schön grüßen.

Schreibe ich nicht noch anders, so sind wir dann also d. 21/5 Nachmittag 5 Uhr in Jena.

Dein

treuer C. Haeckel

a irrtüml. doppelt: Euch

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-05-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35060
ID
35060