Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 15. Februar 1874

Potsdam 15 Februar

1874.

Lieber Bruder!

Meinen herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstage; vor allem Gesundheit Dir und all’ den Deinen, dann fernere Befriedigung im häuslichen und Arbeitsleben. An erfreulicher und erfreuender Arbeit fehlt Dir’s ja nicht. Aber Dir kann und muß man wohl eher wünschen, daß Du auch Maaß halten mögest im Arbeiten und haushalten mit Deiner Arbeitskraft. Wenigstens machen Deine Mittheilungen oft den Eindruck als ob Du darin zu viel thust. Du mußt den Organismus frisch erhalten, sonst versagt er Dir den Dienst.

Bei uns geht es, wie es nach solcher Zeit, wie wir sie eben durchgemacht haben, gehen kann. Clara hat sich vom Wochenbett wohl rasch erholt; aber die || tiefe Gemüthsbewegung liegt ihr noch recht in den Gliedern, so daß sie dieser Tage auch wieder etwas rheumatisches Fieber hatte und im Bett liegen mußte. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen. Wir beide haben rechtes Verlangen Euch mal in Jena heimzusuchen und einige Tage bei euch zu sein, hoffen aber noch zunächst auf Vollendung der Saalbahn, die ja wohl im Frühjahr wird eröffnet werden. Du lieber Ernst, kommst inzwischen doch wohl noch mal her. Wie wär’s wenn du vom 29-31 März hier sein könntest. Dann ist hier eine märkische Turnlehrer-Versammlung, die auch manches Interessante bietet. Ich bin im Lokal-Comité, und habe dann auch einen Gast bei mir.

Mit meinem Fuß plage ich mich immer noch. Das Mißliche ist daß ich ihn nicht längere Zeit schonen kann, um mir die Warze gründlich ausbeizen zu lassen. In 14 Tagen hoffe ich dazu mir || einige Tage zu reserviren und das böse Ding dann ganz los zu werden. Klönne behandelt mich beständig daran.

Mit Arbeiten bin ich jetzt auch gesegnet. Am 24st Januar (1 Tag vor des kleinen Clemens Tode) war die Eröffnung des Verwaltungsgerichtshofes u. Einführung der Mitglieder. Den 21 Februar haben wir die erste ordentliche Sitzung. Vorläufig habe ich die meisten Arbeiten dazu. Doch kann ich bis jetzt noch mit denselben durchkommen. – Mutter ist wohl u. wird heut Mittag bei uns essen u. Deinen und Anna’s Geburts Tag (von der wir gute Nachrichten aus Dresden haben) mit feiern. Die Kinder sind munter. Nun seid recht fröhlich morgen zusammen u. denkt dabei auch an die Potsdamer!

Ade

Dein treuer Bruder

C. Haeckel

Clara dankt Agnes noch besonders für Ihren Brief u. hofft ihr nächstens zu antworten.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-02-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35058
ID
35058