Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 25. Januar 1874

Potsdam 25 Januar 1874

Lieber Bruder!

Leider muß ich Dich mit einer traurigen Nachricht überraschen. Unser jüngstes Kindchen ist nicht mehr. Am Mittwoch Vormittag zeigte sich bei ihm, nachdem bis dahin nur etwas an Gelbsucht gelitten, – was ja oft vorkommen soll –, plötzlich die Rose auf dem Rücken. Die Krankheit griff rasch um sich. Am Abend schon machten wir uns aufs Schlimmste gefaßt u. ließen ihn taufen (Clemens Carl Gustav). Die folgenden Tage schwankte es hin u. her. Der kleine Körper zeigte || viel Widerstandskraft. Kopf und Brust hielten sich frei. Gestern früh schien die Krankheit nachgelassen zu haben. Aber am Nachmittag zeigten sich schwarze Flecke im Munde, die sich verbreiteten. Die letzte Nacht war recht schwer; er rang heftig mit dem nahenden Tode; um 10 Uhr Vormittags hat er heut ausgelitten. Es war Blutzersetzung eingetreten.

Wir sind schwer betrübt, alle die schönen Hoffnungen für unser Haus im neuen Jahre sind zerstört. Und doch muß ich Gott danken, daß Clara das Wochenbett sonst gut überstanden hat, u., wie es scheint, auch diesen schweren Fall. Sie ist gefaßt, aber recht traurig.

Mutter, die viel bei uns ist, eben jetzt auch, läßt Dich herzlich grüßen, [Briefschluss fehlt]

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
25-01-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35057
ID
35057