Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 14. Februar 1872, mit Beischrift von Clara Haeckel

Potsdam 14 Februar 72.

Liebes Bruderherz!

Am liebsten wäre ich am 16t dieses Monats persönlich bei Dir. So muß ich Dir auf diesem Wege meinen herzlichen Glückwunsch für das neue Lebensjahr, welches Du anfängst, sagen. Du hast Dich bereits in Deinem Jena fester gesetzt und bist dort fester gehalten, als Du selbst denkst; mögest Du auch ferner in Deiner dortigen Wirksamkeit rechte Freude und Befriedigung finden. Dazu gebe der Himmel Dir, Frau und Kindern Gesundheit. Wie viel diese Werth ist, haben wir in der letzten Zeit recht erfahren.

Warum Du nicht nach Strasburg gegangen und welche Gründe ich dafür hatte, darüber mündlich mehr; ich fürchte, Du || wirst jeder Berufung in Zukunft mehr abgeneigt sein, als Du Dir selber jetzt eingestehst, und wünsche nur, daß Du das dortbleiben nicht später noch bereuen mögest. Für Mutter und uns freuet es mich ja, daß Ihr uns näher bleibt. Namentlich ersterer wird es, noch mehr als früher, eine große Freude sein, wenn Du sie öfter besuchen kannst, ‒ trotz dem sie auch mehr für Annahme war. – Vorigen Freitag war ich zuletzt bei ihr, und fand sie doch etwas frischer als den Mittwoch vorher. Diese Woche werde ich wohl nicht hinüberkommen, da wir Schwurgericht haben, welches diesmal eine volle Woche dauert und stark in Anspruch nimmt.

Heute ist unsrer Anna Geburtstag. Sie wächst sich recht heraus und ist ein richtiger Backfisch. Sonntag hatte sie ihre Freundinnen zur Vorfeier da. Zufällig kam auch Tante Bertha herüber. Letztre schreibt uns heut, Schwager Heinrich || sei zwar wieder auf, aber doch sehr steif in den Gliedern, so daß er gefüttert werden müsse. Ich denke, das wird nicht so viel auf sich haben.

Daß Agnes wieder auf ist, ist ja recht schön. Grüße sie schön, ebenso unsern Carl, von dem heut auch ein Geburts Tags-Brief richtig eintraf. In alter Liebe und Treue

Dein

Karl.

[Beischrift von Clara Haeckel ]

Herzlichen Glückwunsch mein lieber Schwager zu Deinem morgenden Geburtstage, möchtest Du denselben fröhlich und noch oft befriedigt feiern können. Mutter’s Gesammtbefinden ist nicht sehr kräftig, wie mir vorkommt und doch läßt sie sich nur ungern und schwer irgend eine Mühe abnehmen; ihr Aussehen ist || zwar klar sonst aber ist sie hinfällig und angegriffen. Unserer Kinderschaar geht es gut und vergnügt sie sind sehr beseligt durch ihre jetzige Tanzstunde. Daß Du Dich unseres Karl so gütig annimmst, danken wir Dir von Herzen, er schreibt sehr flott, möchte ihn nur später die Bücher und Arbeiten ebenso kräftig und nachhaltig erziehen und fesseln wie jetzt Bälle und Eisvergnügungen, doch ich denke das kommt auch! Für heut ade, viele Grüße an Agnes und die Kinder, hoffentlich geht es doch Euch allen wieder ganz gut.

Auch unseren Karl grüße herzlich von Deiner treuen

Schwägerin Clara

d. 15.2.72

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-02-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35037
ID
35037