Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 13. Januar 1871

Potsdam 13 Januar | 71

Lieber Ernst!

Anbei der heute durch Mutter erhaltene Brief von Max Schultze. Es ist mir doch sehr lieb, daß Du mit ihm darüber Dich ausgesprochen hast, u. wird nun darauf ankommen, wie Deine Erkundigungen über die Wiener Stellung ausfallen. Eines scheint mir dabei schicklich: sobald Du Dich entschieden hast, nicht hinzugehen, dann es auch baldigst nach Wien hin auszusprechen, damit sie dort wissen, woran sie sind u. andere Schritte thun können zur Besetzung der Stelle. Mit Recht legt übrigens Schultze darauf Gewicht, daß Du, wenn Du bleibst, Dir ordentlich zulegen läßt. Die Universität oder vielmehr die Sächsischen Regierungen müßen für Dich thun, was irgend in ihren Kräften steht, um den pekuniären Vortheil, aufa den Du durch Dein Dortbleiben verzichtest, u. der doch grade für weitere wissenschaftliche Beobachtungen am Meereb von großer Bedeutung ist, auszugleichen u. Dir zu ersetzen. || In dieser Beziehung laß Dich nicht durch bloße Zusicherungen für die Zukunft abspeisen. Deine Ausgaben werden mit der größeren Familie auch erheblich wachsen u. Du mußt hierbei auch an spätere Zeiten denken. –

Sehr freut es mich, wenn es bei Euch glücklich weiter geht. Sage der Wöchnerin unser beider herzlichen Gruß. Gut, daß es, wie es scheint, doch nicht mehr so sibirisch kalt zu werden verspricht, wie vor 8-14 Tagen.

– Unser Julius, der einen ernsten Magekatarrh seit Neujahr hatte, ist seit 3 Tagen mächtig auf der Besserung u. ißt sich allmählich wieder heran. Max ist allerliebst, macht schon Aufstemm- u. Fortbewegungs- respektive Drehungsversuche, wenn er beim Waschen auf der Madratze auf den Bauch gelegt wird.

Von Gustav Boesche hatten wir gestern noch bessere Nachrichten; es war eine Krisis eingetreten und er war in einen guten Schlaf verfallen. Gott gebe, daß er durchkommt.

Heute Nachmittag sind wir auf einige Stunden in Berlin, um meinem Schwager Lisco zum Geburts Tag zu gratuliren.

Ade. Herzliche Grüße von Clara und Deinem

treuen Bruder Karl

Nochmals meine Grüße und Wünsche für Euer Kleinchen! Schreibt doch bald wieder, wie es Agnes geht!c

a eingef.: auf; b eingef.: am Meere; c weiter am Rand v. S. 1: Nochmals meine Grüße...es Agnes geht!

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
13-01-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35021
ID
35021