Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 4. November 1870

P. 4. 11. 70.

Lieber Ernst!

Du wirst wohl inzwischen von Onkel Julius das Legat in 2 preußischen Staats-Anleihen erhalten haben. Ich habe dir diese, und nicht Eisenbahnprioritäten ausgesucht, weil es mir zweckmäßig schien, die volle Summe des Legats in Einem 5%tigena Papier anzulegen. Wenn ich 4½ %tige Prioritäten nahm, so bleiben c. 10 rℓ übrig. Im Werthe der Papier finde ich zwischen beiden keinen Unterschied.

Eben sehe ich meinen Geburts-Tags-Kalender nach, lieber Junge, u. finde zu meinem Schreck, daß ich den Geburts Tag von Agnes wohl richtig verpaßt habe. Noch die Tage vorher war in Berlin davon die Rede u. ich hatte mir bestimmt vorgenommen zu schreiben. Habe es aber dann doch verbummelt. Meine nachträgliche Gratulation ist || aber deshalb nicht minder herzlich.

Sollte ich doch gratulirt haben, so schreibe diese Zeilen à Conto meiner Vergeßlichkeit.

Wir sitzen jetzt mitten in Wahlvorbereitungen. Auch das Schwurgericht steht vor der Thür; ich bin diesmal Beisitzer.

Uns geht es gut. Max quält sich jedoch noch mit kleinen Blutgeschwüren am Kopf.

Ade

Dein Karl.

Ich will heute nach Berlin, um Verschiedenes zu besorgen.

Hast Du gelesen, daß der ältere v. Zaluskowsky bei Bourget gefallen ist? Auch Gustav Graf Keller 2t Sohn des Erfurter, eben von einer Verwundung geheilt, ist in demselben Gefecht, das sehr ernsthaft gewesen sein muß, geblieben.

Was machen die Kollegia?

Hast Du Zuhörer zu allen?

Clara sagt mir eben, und [ich] erinnere mich nun auch, daß wir Postkarte gesandt haben.b

a eingef.: 5%tigen; b weiter am Rand v. S. 1: Clara sagt mir...Postkarte gesandt haben.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
04-11-1870
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35015
ID
35015