Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Landsberg an der Warthe, 9. September 1863

Landsberg a/W 9/9 63.

Lieber Ernst!

Ich hatte eigentlich gleich nach meiner Rückkunft von Berlin schreiben sollen, habe es aber immer aufgeschoben. Mutter läßt Dir sagen, Vater werde für die Kosten, die die Reise über Landsberg macht, sorgen. Beide wünschen – u. sprechen uns darin aus der Seele – daß Ihr uns jetzt besucht, da man nicht weiß, was später dazwischenkommt. Bei uns kommt Ihr auch in den letzten Tagen des Monats noch vollkommen gelegen, da doch erst Einiges in der neuen Wohnung eingerichtet wird, bevor wir umziehen, und wir in der alten noch in den October hinein bleiben können. Sieh also zu, daß Ihr auf 3–4 Tage wenigstens kommt, u. bestelle gut Wetter, damit wir auch etwas in die Umgegend hinaus können. Es freut mich Euer Kommen namentlich auch für Mimmi, die diesen Sommer hier immer hat sitzen müssen.

Nach Deinem Briefe u. Heinrichs Mittheilungen lebt Ihr ja ganz angenehm in Heringsdorf, u. Du hast außer der herrlichen Natur auch netten Umgang gefunden. Es ist doch etwas sehr Angenehmes, sich in jedem Jahre einmal auf längere Zeit aus den alltäglichen Verhältnissen und Berufsgeschäften – u. wären sie noch so befriedigend wie bei Dir – herausreißen zu können. Ich zehre jetzt mit wahrer Wonne von der dreiwöchigen Exkursion, die doch recht befriedigend für mich || ausgefallen ist. – Grüße außer Richter, an den ich noch zu schreiben hoffe, u. die Unsrigen auch H. Delbrück (Hugo Vornamens, Direktor einer Cementfabrik in Stettin) u. seinen Bruder, den Berliner, wenn sie noch da sind. Viel Vergnügen zur Naturforscher Versammlung. Schreibt uns, wann Ihr hier einzutreffen gedenkt. Mit der Dampfschifffahrt bei diesem Wasserstande ist es nichts; ihr müßt über Kreuz kommen u. in Stettin, rsp. im Kursbuche nachforschen, wann Ihr Anschluß dort habt. Seit Mitte Juli a.c. gehen die Züge von Kreuz früher, um 1 Uhr 12 Minuten Nachts (Schnellzug) 2.13 hier. 2 Uhr 51 Nachts (Personenzug, langsam, um 5 Uhr 16 hier, 2 Uhr 51 Nachmittags Personen Zug um 4 Uhr 16 hier.

Dein Karl.

P. S. Forkel schrieb mir dieser Tage. Der Arme hat sein nettes 9jähriges Töchterchen an Gehirnentzündung verloren.

Ich setze voraus, daß Richter noch da ist und lege für ihn einige Zeilen bei.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-09-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 34958
ID
34958