Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Freienwalde, 14. Februar 1858

Freienwalde 14 Febr 58.

Alter Junge!

Diesmal kann ich Dir aus voller Seele zu Deinem Geburtstage gratuliren, daß Du so recht von der fatalen Krankheit genesen bist u. die dritte Station glücklich hinter Dir hast. Gott gebe seinen Segen bei den „Würmern“ u. zum Schluß! – Demnächst aber wünsche ich Dir, – noch nicht das Emblem des Briefes von Mimmi, wohl aber, daß Du in dem neuen Lebensjahre zu Deinem wahren Heil den rechten Weg für Deinen zukünftigen Beruf einschlagen mögest. Das ist auch so ein Kasus, worin der Mensch Glück u. Pech haben kann, wie bei der Wahl einer Frau. Ein jeder muß dem Himmel recht dankbar sein, wenn er auf seiner Laufbahn wirklich an die rechtea Stelle kommt, wohin er nach seinen Kräften und Fähigkeiten in der Welt gehört; das wünsche ich Dir von ganzem Herzen. Endlich noch, daß zwischen uns das alte Verhältniß bleibe. Die nöthigen Vorkehrungen, die das in der nächsten Zeit ermöglichen sollen, haben wir bereits hier getroffen u. ein ganzes Schwein geschlachtet, die Speisekammer ist voll von frischen Würsten, Schmalz || Griepsen, Pannhaas, Salzfleisch usw. und für anderweite gute Verköstigung des Moose suchenden Bruders soll dadurchb bestens gesorgt werden. Also – mache u. komme, damit sich das Band brüderlicher Liebe durch diese porcinischen Substanzen (Schweinefleisch klänge doch zu gewöhnlich!) immer fester um uns beide schlinge! –

Heute haben wir Annas GeburtsTag gefeiert. Das kleine Ding ist sehr lieb u. nett. – Sein Papa hat wegen Krampfhusten und Heiserkeit einige Tage Stubenarrest ist aber trotzdem kreuzfidel u. bereut es durchaus nicht, am 8t. dort gewesen zu sein, sagt vielmehr den lieben Alten u. Schwiegermuttern nochmals den besten Dank.

Dumm, daß Du den Waldau nicht bekommen hast. – Wirf nur Ende der Woche wieder einen Zettel darnach in den Kasten. Dabei fällt mir ein: sollte nicht im Ersch-Gruber, der bei Onkel Julius steht, ein Artikel „Protestanten in Österreich“ oder ein dem ähnlicher sich befinden? Sieh doch mal nach! –

Ade sei recht vergnügt zu 16t u. denke, wenn Du mit dem neuen Leuchter zu Bette gehst, an Deinen treuen Bruder Karl, der nicht mitgekonnt hat, aber zuweilen an den Tisch gestoßen hat beim Kratzen –c Wann kannst Du mit allem Examenzeug fertig sein?d

a eingef.: rechte; b eingef.: dadurch; c Text weiter auf dem linken Seitenrand: Leuchter zu Bette … beim Kratzen–; d Text weiter auf dem linken Rand von S. 1: Wann kannst … fertig sein?

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
14-02-1858
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 34934
ID
34934