Sethe, Anna

Anna Sethe an Ernst Haeckel, Heringsdorf, 11. Oktober 1858

Heringsdorf 11.10.58.

Vor 2 Stunden bekam ich Deinen herzigen Brief, lieber Schatz, den Du schon Sonnabend in meinen Händen vermuthetest; dies wäre nur unmöglich gewesen, und Sonntags überhaupt Briefe her zu expediren, scheint eine Sünde zu sein, drum erhielt ich ihn heute. Wie kannst Du Dir nur Sorgen machen, mich durch den einen traurigen Brief so betrübt zu haben; ich theile ja so gern auch Deinen Kummer und freue mich nun doppelt, wie herrlich Du die schweren Kämpfe bestanden hast. Zum Lohn dafür bringe ich Dir auch eine sehr freudige Nachricht; Donnerstag Abend habe ich Dich wieder, Du bestes, liebstes Herz und jubele vor Entzücken in diesem Gedanken. Werden die Arbeiten im Garten bis dahin fertig, kommen wir Alle zusammen, sonst Johanna und ich jedenfalls, was || Dir die Hauptsache ist. Bitte bringe Heinrich diese Nachricht, damit er so gut ist und heißes Wasser bereit hält zum Thee. Wahrscheinlich finden wir wohl Jacobis auch noch dort vor. Ach Schatzchen wie werde ich die Stunden zählen, und wie werde ich jubeln, wenn ich meinen lieben Blondkopf wieder erblicke. Es ist mir leid, Dich wegen meines Auges so in Angst gesetzt zu haben; es war ein Gerstenkorn, das gänzlich vorbei ist, doch habe ich das Auge wohl zu früh mit Lesen und Arbeiten wieder angestrengt, so daß es wieder ein wenig entzündet ist; doch das wird ganz vorbei sein, wenn Du mich siehst; Blutegel sind glaube ich nicht nöthig, und die sonstigen Rathschläge will ich alle gewißenhaft befolgen, nun aber auch ganz artig sein und aufhörena und Alles bis auf Wiedersehen versparen. Allen 1000 Grüße, Dir einen innigen Kuß von Deiner glückseligen Änni.

a eingef.: und aufhören

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-10-1858
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 34427
ID
34427