Potsdam, 21.11.13.
Lieber Onkel!
Auch meine letzten Erkundigungen über den pompösen „Neuen Feuilleton-Concern“ sind leider negativ gewesen. Herr Vollrath hat nie etwas von ihm gehört oder über ihn erfahren können. Und die Verlagshandlung Fontane, die sonst derartige solide Unternehmungen kennt, weiß nichts, schließt auch aus der Nichtaufnahme in das Kürschnersche Lexikon, daß nichts dran ist. Jeder Pfennig werde a verschwendet, den man in der Sache verwende. Also, lieber Onkel, schreibe die Sache in den Rauchfang, wo vielleicht schon andere || hängen.
Ich sitze jetzt zu Hause, um meine hartnäckige Mittelohrentzündung besser zu heilen. Ich war mit Klappe aufs Amt und notwendige kurze Gänge gegangen, aber die Entzündung ging nicht. Vielmehr kamen erst jetzt stechende Kopfschmerzen dazu, die mich peinigen. Na, es wird auch vorüber gehen.
Daß Ihr unseren Franz als Sonntagsgast hattet, läßt auf leidliche Besserung von Tante Agnes schließen. Franz ist mit Feuereifer in seinem Studium. Beneidenswert! Nett, daß er Sonntag bei Meyers || sein darf.
Daß Konrad Jacobi auf der Heimreise im Hotel in München gestorben ist, schrieb ich Dir wohl schon. Die arme Frau!
Gestern starb hier plötzlich Georgs Freund Meyer (seine Schwester ist die Witwe von dem verstorbenen Hans Reimer), ein sehr tüchtiger, beliebter und kerniger Mann, dessen Tod auch wir sehr bedauern. Er hatte die ganzen Gewerbe- und Fortbildungsschulen von Berlin und dem Regierungsbezirk Potsdam unter sich – eine Riesentätigkeit, die er mit seinen großen Kräften leisten konnte. Wie seine Schwestern herzleidend ist er Dreien schnell gefolgt.
Meiner Frau und den || Kindern geht es gut.
Mit herzlichen Grüßen
von Haus zu Haus
Dein treuer Neffe
Julius.
a gestr.: weiter