Julius Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 15. Februar 1911

Potsdam, 15.2.11.

Lieber Onkel!

Herzliche Glückwünsche von uns Allen zum Geburtstag. Möge das neue Lebensjahr Dir die Rüstigkeit lassen, die wir bei Deinem Weihnachtsbesuch erfreulicherweise Weise beobachten konnten.

Wir lasen im Kosmos einen Artikel Deines Nachfolgers über das Phyletische || Museum, der bis auf eine bissige Bemerkung über die Mangelhaftigkeit der Sammlungen des Zoologischen Instituts nicht unfreundlich gehalten ist. Sollte dies ein Zeichen des Einlenkens sein, so würde das mindestens für die Förderung der Museumssache von Wert sein; was für Dich nur erfreulich sein könnte.

In demselben Heft haben wir auch die merkwürdigen Beobachtungen des Mendelns gelesen, die gewiß eine neue Perspektive für die Vererbungsprobleme eröff-||nen werden. Beim Menschen wird es sich leider schlecht beobachten lassen, höchstens beim hohen Adel mit seiner Inzucht. Immerhin wird auch sonst in mancher Familie manches rätselhaft sprungweise Vererbungsresultat durch das Mendeln erklären zu lassen. Leni wollte Dir zu morgen auch etwas mendeln, allerdings mit „ä“, aber sie kam noch nicht dazu und wird es nachholen.

Uns geht es nach kleinen Influenza-Attacken und || mir nach Befreiung meiner scheinbar zu Starkschnupfen neigenden Nase von 6 stattlichen Polypen gut.

Mit herzlichen Grüßen

von Haus zu Haus

Dein treuer Neffe

Julius.

Der gute Allmers wäre am Sonnabend 90 Jahre alt geworden.

Brief Metadaten

ID
34152
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
15.02.1911
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
4
Umfang Blätter
2
Format
11,4 x 17,9 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 34152
Zitiervorlage
Haeckel, Julius an Haeckel, Ernst; Potsdam; 15.02.1911; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_34152