Julius Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 17. Dezember 1905

Potsdam, den 17.12.05.

Lieber Onkel!

Nachdem heute auch die Überweisung durch die Bank eingetroffen ist, die ich Dir gleich bestätigen wollte, will ich nicht länger mit der Antwort auf Deinen Brief warten und Dir unserm herzlichsten Dank sagen für die überaus reiche Weihnachtsgabe, mit der Du uns überrascht hast. Eigentlich müßtest Du als Verschwender entmündigt werden. Aber das würde Deine Rekonvalescenz gefährden können. Deshalb ist es besser, wir bescheiden uns, zumal wir wissen, daß es Dir selbst Freude macht, Deiner Nef-||fen und Nichten zu gedenken. Deiner Bestimmung gemäß habe ich verteilt: je 100 M. an Herman, Heinrich, Marie, Georg und Siegfried und 200 M. an Ernst. Außerdem habe ich, da Lotte Hahn (Frau Straede) nicht besonders bedacht ist, Du mich aber besonders reich beschenkt hast, an Lotte 30 M. abgegeben. Ich denke, das wird in Deinem Sinne sein. Die gemeinschaftlichen 100 M. werden wieder zu dem üblichen Theaterbesuch verwendet werden.

Für Dein sehr gelungenes Bild und das Heftchen von Gramzow besonderen Dank. Ich werde es baldigst lesen.

Deine Nachrichten über Dein || Befinden sind ja noch nicht sehr rosig, aber immerhin ist es doch erfreulich, daß Du wenigstens 8 Stunden außer Bett sein darfst. Hoffentlich bringt die Pflege und sorgsame Hülfe Deiner Frau Deinen alten Adam bald wieder auf den Damm, so daß Du im neuen Jahr wieder ausgehen kannst.

An Heinrich werde ich noch besonders im Sinne Deiner Bitte um seinen Besuch schreiben.

Briefe von Dir an unseren Vater und die Großeltern besitze ich nicht, auch nicht die Aufzeichnungen von Großvater und Deine Briefe an Tante Berta. Diese letzten hat Dir Georg doch zurück gegeben? ||

Die übrigen Briefe etc. hat Georg im Familien-Archiv. Ich werde ihm Deinen Brief schicken. Einen Nekrolog von Urgroßvater Sethe besitze ich meines Wissens und werde ihn Dir baldigst schicken.

Uns geht es gut. Die Kinder sind natürlich rapplig vor Fest-Spannung. Franzens Lieblingswunsch – ein Aquarium – soll aus Deiner Gabe erfüllt werden.

Mit besten Wünschen für Deine Gesundheit, auch von meiner Schwiegermutter, und zum Fest sowie mit herzlichen Grüßen an die getreue Tante Agnes bleibe ich

nochmals herzlichst dankend

Dein treuer Neffe

Julius.

Die Hypotheken-Nachrichten werde ich in die Urkunden legen.

Brief Metadaten

ID
34111
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
17.12.1905
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
4
Umfang Blätter
2
Format
14,0 x 22,0 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 34111
Zitiervorlage
Haeckel, Julius an Haeckel, Ernst; Potsdam; 17.12.1905; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_34111