Julius Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 15. Februar 1905

Potsdam, 15.2.05.

Lieber Onkel!

Zum ? Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche! Du wirst nun wieder ein Jahr jünger, wenn Du es auch nicht Wort [!] haben willst. Hoffentlich hat der launische Winter Dir nicht zu arg mitgespielt, so daß Du || das neue Lebensjahr frisch und gesund antriffst. Leni schickt Dir „Protisten“ aus der Küche, die Deinem kuchen-freudigen Gaumen hoffentlich munden werden.

Durch den Tod von Abbe hat Jena gewiß einen unersetzlichen Verlust erlitten. Mag der seltene Mann auch seine Schrullen gehabt und mit seinen socialistischen Arbeiterversuchen auch etwas daneben gehauen haben, so || bleibt er doch ein leuchtendes Vorbild des Fleißes, der Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit für ideale Zwecke, auf das Jena stolz sein kann. Er hat so viele Denkmäler seines Mäcenatentums gesetzt, daß er eigentlich des Denkmals gar nicht mehr bedarf, das Ihr ihm setzen wollt.

Uns geht es vortrefflich. Erkältungen der Kinder sind schnell vorüber gegangen, leider auch das Eis, das uns || eine Woche erfreute und auch die Kinder auf den nahen Heiligen See lockte.

Friedel war vor 3 Wochen hier. Seine Hand war gut verheilt, aber wegen der dünnen Haut noch nicht gebrauchsfähig.

Wenn Du übrigens wieder überflüssige Dissertationen hast, schicke sie ruhig her. Unsere Landgerichtsbibliothek nimmt sie sehr gern.

Unsere Litteraria hier, die Du wohl noch kennst, feierte kürzlich das 75.a Stiftungsfest mit dem 1000. Vortrage.

Mit herzlichen Grüßen an Tante Agnes stets

Dein treuer Neffe

Julius.

a gestr.: 1000., eingef.: 75.

Brief Metadaten

ID
34099
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
15.02.1905
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
4
Umfang Blätter
2
Format
11,1 x 17,6 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 34099
Zitiervorlage
Haeckel, Julius an Haeckel, Ernst; Potsdam; 15.02.1905; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_34099