Potsdam, 15.2.05.
Lieber Onkel!
Zum ? Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche! Du wirst nun wieder ein Jahr jünger, wenn Du es auch nicht Wort [!] haben willst. Hoffentlich hat der launische Winter Dir nicht zu arg mitgespielt, so daß Du || das neue Lebensjahr frisch und gesund antriffst. Leni schickt Dir „Protisten“ aus der Küche, die Deinem kuchen-freudigen Gaumen hoffentlich munden werden.
Durch den Tod von Abbe hat Jena gewiß einen unersetzlichen Verlust erlitten. Mag der seltene Mann auch seine Schrullen gehabt und mit seinen socialistischen Arbeiterversuchen auch etwas daneben gehauen haben, so || bleibt er doch ein leuchtendes Vorbild des Fleißes, der Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit für ideale Zwecke, auf das Jena stolz sein kann. Er hat so viele Denkmäler seines Mäcenatentums gesetzt, daß er eigentlich des Denkmals gar nicht mehr bedarf, das Ihr ihm setzen wollt.
Uns geht es vortrefflich. Erkältungen der Kinder sind schnell vorüber gegangen, leider auch das Eis, das uns || eine Woche erfreute und auch die Kinder auf den nahen Heiligen See lockte.
Friedel war vor 3 Wochen hier. Seine Hand war gut verheilt, aber wegen der dünnen Haut noch nicht gebrauchsfähig.
Wenn Du übrigens wieder überflüssige Dissertationen hast, schicke sie ruhig her. Unsere Landgerichtsbibliothek nimmt sie sehr gern.
Unsere Litteraria hier, die Du wohl noch kennst, feierte kürzlich das 75.a Stiftungsfest mit dem 1000. Vortrage.
Mit herzlichen Grüßen an Tante Agnes stets
Dein treuer Neffe
Julius.
a gestr.: 1000., eingef.: 75.