Seelow, 16.12.01.
Lieber Onkel!
Die Idee Deines noblen Gönners ist großartig. Das hättest Du Dir wohl nicht träumen lassen, daß Du auch ein Denkmal so bald nach Deinem in den letzten zwei Dritteln des Jahrhunderts erfolgenden Tode erhalten sollst. Hoffentlich bist Du sicher vor den beiden Trabanten mit durchgeschnittenen Bändchen || wie Tante Berta sich drastisch ausdrückt) auf der Bank hinter Dir. Sonst schlage ich Dubois und Virchow oder Paulsen und Loofs vor. – Doch Scherz bei Seite. So wenig angenehm Dir wohl im ersten Augenblick der Gedanke, in Erz lebensgroß verewigt zu werden, gewesen sein wird, so verständig finde ich es, das Unvermeidliche möglichst verständig zu verwirklichen. Dein Gönner scheint Dir ganz freie Hand gelassen zu haben, was || seinem großherzigen Standpunkt alle Ehre macht. Du wünschest nun eine Äußerung. Ja, lieber Onkel, Dein Vertrauen ist ja für mich sehr ehrenvoll, und ich würde mich selbstverständlich aus Liebe zu Dir dem geschäftlichen Teile gern unterziehen und auch meinen schwachen Senf zu der künstlerischen Wahl geben. Doch denke ich, es wird richtiger sein, Du schaltest mich aus und nimmst einen verstän-||digen Bildhauer in das Komité! Als Ersatzmann würde ich eventuell gern zu Diensten sein, wenn Du niemand Besseres findest. Doch darüber sprechen wir uns am Besten in Berlin aus. Wir haben nämlich, da Heinrich meistens auf den dritten Feiertag noch bleibt, diesen Tag für die Verjubelung Deiner Weihnachtsgabe mit dem üblichen Theaterbesuche eines modernen Lustspiels ins Auge gefaßt. Da Du nun zwischen dem 26.12. und 6.1. nach Berlin kommen willst, wäre es fa-||mos – um mit Allmers zu reden – wenn Du Deiner schönen Gabe die Krone aufsetztest und selbst mitkämest. Vorher würdest Du Muße haben, mit Heinrich und mir Deine Bronzierung in Ruhe zu besprechen. Eventuell beteiligst Du Dich an einem Bummel in den Grunewald, den Heinrich u. ich am 3. Feiertag Vormittags planen. Schreibe doch möglichst umgehend an Hahns ob Du am 27. mit uns ins Theater gehst (Richard besorgt || die Billets) und wann und wo Du vorher zu treffen bist.
Solltest Du am 27. noch nicht in Berlin sein können, so könnte Heinrich gemäß noch auf einen Tag aus Stettin kommen (Sonntag 29.?). Dann könnten wir den Theaterbesuch bis dahin aufschieben.
Für Dein Zusage wegen des Fideikommisses einstweilen herzlichen Dank.
In alter Anhänglichkeit
Dein treuer Neffe
Julius.
Friedel soll zum 1.4. Aussicht auf eine Stelle in Ludwigshafen haben.a
a Nachtrag vertikal am linken Rand von S. 6 vermerkt