Seelow, 8.7.00.
Lieber Onkel!
Das interessante Buch von Troels – Lund, das mir Tante Berta geliehen, schicke ich direkt an Dich zurück. Ich habe es mir selbst gekauft, weil es mir einen dauernden Wert zu haben scheint.
Als ich in voriger Woche gelegentlich einer unvermeidlichen Geschäftsreise nach Potsdam in Berlin war, traf ich Tanta Berta nach einen Anfall, den sie eine Woche vorher gehabt, || wieder in alter Frische. Doch hatte sie gerade Deinen Brief erhalten, der sie bekümmert, weil Du vor Deiner Reise nicht mehr zu ihr kommen willst. Ich tröstete sie nach Möglichkeit, weil Du zu viel zu thun hättest. Mir scheint es aber, als wolltest Du vielleicht einen rührenden Abschied aus dem Wege gehen.
Wenn wir uns also nicht in Berlin treffen, so kannst Du ja etwaige geschäftliche Angelegenheiten mit mir schriftlich erledigen. Ich bin selbst-||verständlich bereit, Dir behilflich zu sein. – Es wird aber wohl nur wegen Deiner und Deiner Frau Hypotheken nötig sein. Wenn Ihr beide eine notarielle Vollmacht dafür ausstelltet,
a Euch in allen Euren Hypothekenangelegenheiten in jeder Beziehung zu vertreten, und alle Rechtshandlungen, die ich in Bezug auf die Euch zustehenden Hypothekenforderungen vornehmen sollte, im Voraus genehmigt,
so würde das wohl genügen. ||
Es wäre immerhin möglich, daß in Deiner 7monatigen Abwesenheit etwas geschehen müßte.
Im übrigen kannst Du wohl Deine geschäftlichen Angelegenheiten mit den Banken vorher so regeln, daß ein anderer sich nicht hinein zu mischen braucht. Du kannst die Banken ja auch anweisen, wie sie Überschüsse anlegen sollen (am besten jetzt wohl 4% Pfandbriefe).
Solltest Du aber sonst Wünsche haben, so teile sie mir bitte mit. Wie gesagt, vom 15.7. bis 4.8. habe ich Urlaub und stehe eventuell zu einer Zusammenkunft in Berlin zur Verfügung.
Deinen Reisevorbereitungen glücklichen Fortgang! Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Dein treuer Neffe
Julius.
Vor 14 Tagen hatte uns Heinrich mit Hahns nach Eberswalde (Besuch bei Karl) und Freienwalde eingeladen. Wir waren ganz überrascht von der schönen Geburtsstadt von Heinrich u. Marie.b
Uns geht es gut, auch Leni, die nun glücklich über den 7. Monat fort ist.c
a gestr.: daß; b Text („Vor 14 … Marie.”) vertikal am linken Rand von S. 4; c Text („Uns … fort ist.”) vertikal am linken Rand von S. 3