Seelow, 4.5.00.
Lieber Onkel!
Deinen Brief habe ich erhalten. Da ich Mitte Mai in unseren Hausangelegenheiten nach Potsdam fahren muß, kann ich Dein Geschäft bei dieser Gelegenheit besorgen. Schreibe mir nur bitte umgehend, ob Dir Frau Friedel einen Hypothekensicherungsschein || einer anderen Feuerversicherungsgesellschaft geschickt hat, damit ich das eventuell veranlassen kann.
Deine Reisepläne sind ja sehr verlockend. Arbeite nur nicht zu viel, sondern spanne auch wirklich einmal aus. Wegen geschäftlicher Rücksprache vor Deiner Reise stehe ich natürlich gern zu Diensten, wenngleich eine Reise nach || Jena in Anbetracht des bei mir bevorstehenden Familienzuwachses nicht gut abfallen wird. Wenn Du also vorher nach Berlin kommen könntest, würden wir uns dort treffen können. Voraussichtlich werde ich vom 15. Juli bis 4. August und vom 25. August bis 15. September Urlaub haben. Vom 5. bis 25. August könnte ich aber nicht von || hier fort, weil ich dann der einzige Richter hier bin.
Der guten alten Tante Berta scheinst Du mit Deinen Reiseplänen einen gelinden Schreck eingejagt zu haben. Wenn ich in Berlin bin, werde ich sie trösten versuchen.
Bei uns geht alles gut.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Dein treuer Neffe
Julius. ||
Nicht nötig! Mir fehlt ein, daß die Friedelsche Hypothek wohl zurück gezahlt ist. Ich werde es in Berlin feststellen können.a
a Nachtrag („Nicht … können.”) als Marginalie am linken Rand von S. 1 vermerkt