Sethe, Hermine

Hermine Haeckel an Ernst Haeckel, Ziegenrück, 12. November 1853

Ziegenrück 12ten November

1853.

Lieber Bruder Doktor!

Wie froh wir sind die liebe Mutter hier zu haben, kannst Du denken; Alles wird revidirt und in Ordnung gebracht, und die arme kleine Frau entsetzlich liebevoll tyranisirt. So darf ich z. B. gar nicht mehr in die reizende Stadt herunter, kann Dir aber berichten von meinem gestrigen Dortsein, daß das Nest noch eben so aussieht wie Du es verlassen hast. Die Düngerhaufen zieren die Straßen und erfreuen die Vorübergehenden durch balsamische Düfte. Dagegen als neu zu betrachten ist der bodenlose Schmutz. Gestern machte ich mit der Alten Besuch bei der Frau Superintendentin, Frl. Hartmans, Frau Diakonus || und Doktors bei denen es sehr wohlschmekende Äpfel gab.

Wir leben sehr still und gleichmäßig, lesen wohl zusammen, wenn der Mann nicht Oben ist, oder wir im Eckzimmer hausen, und sehen Alle Drei mit großer Freudigkeit in diea Zukunft, die Dich so Gott will zum Onkel, vielleicht eines Nichtchens macht.

Heute Nacht hat es recht ordentlich gefroren, so daß wir dem Winter entgegen gehen, wenn er nur nicht so kalt werden möchte.

Daß Du Dich bei uns so glücklich gefühlt macht uns große Freude, komm nur bald wieder und hilf die durch Frau Mutter wieder gefüllte Speisekammer leeren, wovon mir sehr wenig wird zu Theil werden.

Karl ist sehr wohl und munter und sieht bei dem enorm zunehmenden Bart sehr stattlich aus, erlaubt aber kein Zupfen. Sei Du nur hübsch munter und vergnügt ohne jede Grille. Wie sehr haben wir uns über den guten Fortschritt der lieben Tante Bertha gefreut, gebe Gott solchen Fortgang.

Karl grüßt Dich mit mir herzlich.

In Liebe Deine Schwester.

a eingef.: die

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
12-11-1853
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 34024
ID
34024