Sethe, Wilhelmine (geb. Bölling)

Wilhelmine Sethe an Ernst Haeckel, Frankfurt, 14. Februar 1869

Frankfurt d 14t. Feb. 1869

Lieber Ernst!

Dein Geburtstag naht und ich will Dir gern selbst meinen herzlichen Glückwunsch bringen.

Gebe der Himmel Dir einen recht frohen Festtag mit Frau und Kind.

So hast Du noch keinen Geburtstag gefeiert, es ist der erste, wo ein liebliches Kind Dir entgegenl ächelt , nimm dies Lächeln dankbar entgegen, und verlebe Deinen Geburtstag glücklich und dankbar gegen Gott, der Dir viel genommen aber auch viel gegeben.

Ich weiß es ja da ß Deiner heimgegangenen Anna nicht || vergi ß t , was mir auch schmerzlich wäre, und wenn Du ihr Grab besuchst, lege ihr den Kranz hin als Beg r üßung ihrer armen Mutter, die ihr so früh heimgegangenes Kind beweint.

Wie ich zu meiner Freude aus Berlin höre, geht Dir s gut mit den Deinigen, und so ist es auch in Berlin. Der Vater hat sich seltsam wieder erholt in so hohem Alter. In Potsdamm haben die drei jüngsten Lieblinge die Masern glücklich überstanden, und Carl gewöhnt sich immer mehr in den neuen Verhältni ß en . Möge der dortige Aufenthalt zum rechten Seegen für Alle werden.

Carl ( Schlötenitz ) hat mich hier || überrascht, wenn es auch nur ein Tag war, so hat es mich sehr beglückt. L ucie ist wohl und heiter.

Beider ist in Ziegenort wieder eine neue ernste Sorge erwacht. Edy hat mit einem mal Gelenkrheumatismu ß bekommen, in sehr schmerzhafter Weise, die Schmerzen haben etwas nachgelassen doch ist ein Herzleiden hervorgetreten, was mich unendlich besorgt macht. Der arme Junge, wenn es nur nichts bleibendes wird. –

Mir geht es immer noch nicht gut, leppere mich so hin, da ß ich den Sommer wieder nach Wiesbaden mu ß , steht fest, wa s mir recht schwer wird.

Scheller hat seinen Abschied genommen, zu unser Aller Freude, und bis jetzt ist er glücklich da ß er den Entschlu ß || gefa ß t , und das Schwere überwunden, was es wol immer mit sich führt, wenn ein so thätiger Mann aus seinem Amte scheidet.

Gleichzeitig kam die ganz unerwartete traurige Todes Nachricht von Marie Monje der Schwester der Scheller. Sie war längst Wittwe und hinterlä ß t Kinder wovon eine versorgt. – Ach es giebt recht viel Schweres in der Welt. – –

Grü ß e Deine Frau und Kind und alle dortige Bekannte recht herzlich.

Der liebe Gott sei mit uns

Deine treue Mutter

 

Briefdaten

Gattung
Empfänger
Datierung
14-02-1869
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 33885
ID
33885