Sethe, Wilhelmine (geb. Bölling)

Wilhelmine Sethe an Ernst Haeckel, Heringsdorf, 18. August 1864

Heringsd. d 18t. Aug 1867

Lieber Ernst!

Daß mir Deine Brautzeit eine schwere ist, wirst Du mir nachfühlen, eben so, aber wirst Du mir glauben, daß ich deshalb nichts bitteres gegen Dich hätte. Mein lieber Ernst, dies verträgt sich ganz gut, ich wünsche Dir ja Alles Gute, und dann dürfte ich Dir ja für Dein junges Leben, nicht so lange Trauerzeit wünschen. Möge der Himmel mit Dir sein, und Deine zweite Ehe segnen, und von recht langer Dauer sein, und recht glücklich werden lassen, das wünsche ich Dir so recht von Herzen, und Deiner jungen Frau.

Deine Anna wirst Du doch nie ganz vergeßen, das weiß ich. || Heut vor 5 Jahren war Euer Hochzeittag, wie viel Freude und Schmerz liegt dazwischen! Der liebe Gott hilft uns tragen das Leid, was er uns schickt, wenn es auch nie aus unserm Gedächtniß schwinden kann.

Übermorgen ist Deine zweite Hochzeit, laß mir Dir eine Bitte ans Herz legen. Du machst mit Deiner jungen Frau eine schöne Reise, aber strenge sie nicht so sehr an mit Fußtouren, miß ihre Kräfte nicht nach den Deinigen, es ist warlich nicht gut, daß kannst mir glauben lieber Ernst.

Ich wollte Dir zu Deinem Festtage auch gern eine Freude machen und habe datzu einen hübschen Kupfertisch gewählt den mir Helene besorgen will. Da nun ihre Rückreise || verzögert, so will ich nur hoffen daß es rechtzeitig ankommt.

Grüße Deine Eltern und Carl, Vater und Sohn, und ich danke sehr schön für ihre Geburtstags Wünsche, und freue mich sehr daß es ihnen Allen gut geht, und mögen verzeihen daß ich Allen nichta antworte, aber das Schreiben wird mir sehr schwer, wie überhaupt meine Kräfte sehr abgenommen, und noch immer noch nicht, trotz aller Kräftigung nicht recht wieder kommen wollen.

Aber das Alter ist da, darf es auch wol nicht mehr hoffen, was mir bei meinem noch so regen Geist recht schwer wird.

Und nun leb wohl lieber Ernst, und nochmals die besten Wünsche für Dich und Deine Braut, und des Himmels Seegen über Euren Bund.

Deine treue Mutter

b Carl war der einzige meiner Kinder der zu meinem Geburtstage hier war, um so mehr Freude über ihn wenn es auch nur ein Tag war. Er sah so wohl aus, war so glücklich und zufrieden, daß ich recht meine Freude hatte. Er war sehr zufrieden mit seiner Erndte. Sind im neuen Haus und sehr zufrieden. Er hat Bertha einen Tag mitgenommen, was mich recht freut.

a eingef.: nicht; b weiter am Rand v. S. 3

 

Briefdaten

Gattung
Empfänger
Datierung
18-08-1867
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 33871
ID
33871