Sethe, Wilhelmine (geb. Bölling)

Wilhelmine Sethe an Ernst Haeckel, Berlin, 2. März 1864

Berlin d 2t. März 1864

Mein lieber Ernst!

Die Eltern sind ganz glücklich hier angekommen, und wollen an Dich abschicken, da möchte ich für Dich gern einen freundlichen Gruß einlegen, der Dir die besten Wünsche bringen soll für Deine Reise. Möge sie in jeder Beziehung eine glückliche sein, sowohl für Deine Wissenschaft, als für Dein armes wundes Herz.

Ach lieber Ernst jetzt wo ich fern von Dir bin, Deinen Jammer nicht mehr sehe, wird es mir erst klar, wie es um mich selbst steht. Ich bin in tiefster Seele betäubt, wir wollen muthig das Unvermeidliche tragen, und der lieben Dahingeschiedenen in Liebe gedenken. Und dabei werde ich auch stets Dir mit all meiner Theilnahme nahe sein, mein armer schwergeprüfter Ernst.

Ich habe mich sehr gefreut, daß Deine äußerliche Ruhe und Deine Gesundheit so weit hergestellt [ist]. Möge der liebe Gott Dir helfen, daß Du auch in Deinem Innern immer mehr zu einer gewißen Ruhe kommst, die Dir || Noth thut, und Dich kräftigt, Deiner Bestimmung zu folgen.

Ich bin im Begriff nach Frankfurt abzureisen, ich war noch einige Tage länger geblieben, um die Eltern abzuwarten, damit ich noch recht viel von Dir hören wollte. Noch ein recht herzliches Lebewohl und die besten Wünsche für Dich mein lieber Ernst.

Deine treue Mutter.

Für Deinen lieben Brief herzlichen Dank, der mich sehr erfreut.

Schone Dich nur recht, und danke daß Deine alte Eltern noch leben, Dich lieben und heilige Rechte an Deiner Liebe haben!

 

Briefdaten

Gattung
Empfänger
Datierung
02-03-1864
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 33870
ID
33870