Kalisky, Friederike, geb. Thomann

Friederike Kalisky an Ernst Haeckel, Dresden, 3. Oktober 1848

Dresden den 3ten October 48.

Mein herzlich geliebter Ernst!

Du kannst Dir wohl vorstellen, mit welcher Hast das werthvolle Kistchen geöffnet wurde, um nur so schnell als möglich das liebe, liebe Bild zu erblicken und dabey Deine Geschicklichkeit zu bewundern. Empfange meinen innigsten Dank für diese schöne Arbeit, Du guter lieber Ernst und sey überzeugt, daß Du mich dadurch unendlich beglückst, obgleich das liebe Bild mich viel ernster anblickt, als das Original. Aber leider siehst Du Deinen guten Vater immer in so ernster und trüber Stimmung, daß trotz aller angewandten Mühe sich ein gutes Theil davon Deiner Zeichnung mittheilte; doch daran werde ich mich bald gewohnen und ich küße Dich in Gedanken auf das zärtlichste für dieses höchst erwünschte Geschenk und bekenne mich zu Deiner großen Schuldnerin. Als diesen Morgen meine älteste Enkelin ins Zimmer trat, (die einige Tage verreist war,) rief sie ganz entzückt „o! welche angenehme Aehnlichkeit spricht aus diesem Bilde, was mit so viel Fleiß gearbeitet ist!“ Sieh mein Ernst, nicht allein || Deine so partheiische Tante ist entzückt über Deine Arbeit, es werden noch viele sachkundige Personen Deinen lobenswerthen Fleiß anerkennen. Denke nur ferner zuweilen an die alte Tante Kalisky, auch wenn Du keine Arbeit für sie im Sinn hast, denn ich liebe Dich wie meinen eigenen Sohn und bitte Gott, daß Er Dich in Seinen besonderen Schutz nehme, damit Du Deinen geliebten Eltern nur Freude bereitest.

Mit der innigsten Theilnahme erfahre ich den Unfall Deines guten Bruders. Ich weiß aus Erfahrung, wie schmerzhaft solch vertreten des Fusses ist und wie lange man sich damit quälen muß und wünsche von Herzen, daß der liebe Patient nicht durch Ungeduld sein Uebel noch verschlimmre. – Dem schlechten Wetter sind bald schöne Tage gefolgt und so hast Du die angenehme Tour nach Naumburg und Cösen gewiß noch vollbracht. Das Fluß-Baden hast Du nachgrade wohl aufgegeben und so sehr ich bedaure Dich eines so großen Vergnügens beraubt zu sehen, so gereicht es mir auf der andern Seite wieder sehr zur Beruhigung, denn in dieser Jahreszeit kann es nur üble Folgen für die Folgezeit haben.

Nun bitte ich Dich, meinen guten Carl auf das zärtlichste zu grüßen und nicht zu vergessen

Deine treue Tante Kalisky

geb. Thomann.

Bitte lieber Ernst, sage dem guten Friedrich auch meinen freundlichen Gruß, und eben so der Christel, denn gute treue Dienstboten ehre ich hoch.a

a Text weiter am linken Rand: Bitte lieber Ernst … ehre ich hoch.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
03-10-1848
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33800
ID
33800