Bleek, Theodor

Theodor Bleek an Ernst Haeckel, Minden, 6. November 1898

Minden i/W d 6/11 98

Lieber Ernst!

Das beiligende Schriftstück bitte ich durchzulesen und dasselbe mir wieder zurückzuschicken entweder wenn Du einverstanden bist, mit Deiner Unterschrift versehen, oder mit etwaigen anderen Vorschlägen; einer weiteren Erläuterung bedarf es wohl nicht, doch will ich nur bemerken, daß Tante Bertha, die ich auch hierüber gehört habe, mit meinem Vorschlage einverstanden ist. –

Lange ist es her daß wir nicht direkt mit einander in Berührung gekommen sind. Daß inzwischen das Leben, neben vielem Schönen & Guten, uns auch schwere Sorgen auferlegt, ist ja einmal der Laufe der Welt. Aber ich hoffe daß es Dir u. den Deinigen, insbesondere auch Deiner Frau leidlich geht. –

Für uns war der Tod des Schwiegersohns, den wir wie einen eignen Sohn ins Herz geschloßen hatten, ein schwerer Schlag. Seine Witwe mit ihren 4 Kindern || ist hierhin gezogen u. wohnt uns schräg gegenüber.

Zwei Kinder wohnen noch bei uns, die 2.t Tochter welche als Lehrerin an der hiesigen Töchterschule angestellt ist u. der jüngste Sohn, der seit 1½ Jahren hier eine Buchhandlung übernommen hat, während der älteste Sohn, der sich im vorigen Jahre verheirathete, eine gut dotirte Bürgermeisterstelle im Nahethal (Stadt Kirn) erhalten hat. –

Augenblicklich haben wir den Besuch von Jemmie, deren 2t Tochter sich hier vor 8 Tagen mit dem Compagnon unseres Sohnes, Buchhändler Jäger verlobt hat, worüber wir sehr erfreut sind.

Anderseits stehen wir augenblicklich ganz unter dem Eindruck der Trauernachricht von dem Tode von Georg Häckels Frau, die beide so sehr glücklich mit einander waren.

Leb wohl, l. Ernst! Führt Dich einmal Dein Weg in die Nähe unseres schönen Weserthales so würden wir uns sehr freuen Dich hier begrüßen zu können.

Mit herzl. Gruß von Haus zu Haus dein tr. Vetter

Th. Bleek

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
06-11-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33696
ID
33696