Sethe, Bertha

Bertha Sethe an Ernst Haeckel, [Berlin, 16. Februar 1847]

Wenn ich auch heute nur in wenigen Worten meinem lieben Ernst, meinen Glückwunsch sagen kann, so muß ich doch meinem innern Herzenswunsch folgen.

Gottes reicher Segen, sei mit Dir mein liebster Junge, und gebe Dir immer mehr und mehr was zu || Deiner innern Entwicklung beiträgt.

Mögen Dich immer Seine Engel umschwebena, warnend und helfend, tröstend und erhebend. Habe ihn, der mit jedem Tage Seine Liebe und Vatertreue uns offenbar macht, habe ihn vor Augen und im Herzen, das sind Seine Engel, die uns begleiten, und immer zu Ihm führen. – Glaube nicht, daß [sie] bloß die Wiege eines großen, ausgezeichneten Menschen, umschweben. Nein der kleinste und geringste Seiner Schöpfung ist von Ihm gesehen und erkannt, und wenn uns auch die Nachwelt kein Denkmal von Erz oder Stein setzt, wir können uns Alle selbst ein Denkmal setzen, nicht von Menschenhänden gemacht, und der Vergänglichkeit unterworfen, ein Denkmal in den Herzen Anderer, ein Denkmal in der innigsten || und heiligsten Liebe, die wir üben können ohne Maaß, wenn wir treu und wahr den lieben, der die Liebe selber ist.

So sei Gott mit dir, mein liebster Ernst, habe Ihn lieb und auch

Deine treue Tante

und Pathe Bertha.

Dies kleine Instrument,

um Bleistifte, Kreide usw.

anzuspitzen, hoffe ich gefällt dir.

a irrtüml.: umschwebend

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-02-1847
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33653
ID
33653