Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Clementine Beyrich, Baden-Baden, 15. Oktober 1895

Baden-Baden 15. October 1895

Hochverehrte Frau Geheim Räthin!

Ihr Brief vom 4. October hat mich heute hier (im Hôtel Friedrichsbad) erreicht, wo ich auf 4 Wochen die Bäder und die schwedische Heil-Gymnastik gebrauche, um mein altes steifes Fußgelenk womöglich wieder beweglich zu machen. Die Folgen des Beinbruches (im Juli) waren schwer und haben mich 11 Wochen in Jena an’s Lager gefesselt. Jetzt schöpfe ich wieder etwas Genesungs-Hoffnung. ||

Nach Jena werde ich erst in der zweiten November-Woche zurückkehren. Ich werde mich dann sehr freuen, wenn Ihr Enkel, stud. H. Albrecht, mich besucht, u. werde ihm gern mit Rath u. That zur Seite stehen.

Da er besonders Chemie studiren will, wird er mit dem ausgezeichneten Unterricht u. dem neuen Laboratorium von Prof. Knorr sehr zufrieden sein. Er kann ihm von mir einstweilen einen Gruß bestellen. ||

Auch die Physik (bei Winkelmann) ist sehr gut. Außerdem fehlt es nicht an anregenden Vorlesungen jüngerer Naturforscher.

Heute las ich in der Jenaischen Zeitung, daß Sie vor einigen Tagen Ihren 70sten Geburtstag gefeiert haben. Ich sende Ihnen dazu nachträglich meine aufrichtigsten Glückwünsche, und gedenke dabei dankbar der „guten alten Zeit“ vor 40 und 50 Jahren, als wir bei der guten Tante Weiß so fröhliche Stunden verlebten. ||

Auch Ihrem lieben Manne entrichte ich nachträglich noch meine Gratulation zum 81. Geburts Tag. Ich habe mich sehr gefreut, Sie Beide vorm Jahre in Zürich so frisch zu sehen, und hoffe, daß auch weiterhin der Lebens-Abend Ihnen freundlichen Sonnenschein bringt.

Meine Frau erwiedert Ihren freundlichen Gruß.

In alter Verehrung

Ihr treu ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
15-10-1895
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33192
ID
33192