Plate, Ludwig

Ludwig Plate an Ernst Haeckel, Berlin, 14. Februar 1909

Berlin, Beethovenstr. 1

14/2

Verehrtester und lieber Freund!

Tausend Glückwünsche von meiner Frau und mir zum 75. Geburtstage, der Ihnen ausser den dankbaren Grüssen von Nah und Fern das otium cum dignitate bescheert, dessen Sie sich noch recht viele Jahre in geistiger und körperlicher Frische erfreuen mögen. Ich freue mich darauf, mit Ihnen zusammen in nächster Zeit das Phyletisches Museum in Angriff nehmen zu können, || dem ich freilich lieber eine andere Bezeichnung = Haeckel-Museum geben möchte. Da wir schon so viel Synonymie in der Zoologie haben, so kommt es ja auf eine mehr nicht an!

Hoffentlich geht es Ihrer verehrten Gattin fortlaufend ebenso gut, wie an jenem gemütlichen Abend, den wir in Ihrem Hause verleben konnten, damit Sie Beide sich noch per multos annos über die unausbleiblichen Beschwerden des Alters hinwegtrösten.

Der Aufruf, welcher jetzt seit 14 Tagen in der Welt umherläuft, hat bis jetzt etwas über 10000 M ergeben (Hauptposten: 5000 M von Dr O. || Schott, 1000 M von meiner Frau und mir, 500 M von Wippermann, Düsseldorf, 500 M von Bankdirektor v. Gwinner, Berlin, 300 M von Geh. Rat Loewe, Berlin, 300 M von Fabrikbesitzer Samson, Berlin, 200 M von Engelmann, Leipzig,a je 100 M von Rottenburg (Glasgow), Prof. Philippi u. Rosenthal, Jena, 300 M von Dr Lessing, Berlin, 300 M von Dr Geuthe, Berlin); viele meiner Hauptstützen haben aber entweder noch nicht bezahlt, oder direkt an das Universitäts Rentamt resp. an Sie geschickt, was sich dann meiner Kenntnis entzieht. Ich habe aber das Rentamt um eine Zusammenstellung gebeten. Herr A. Kröner (Leipzig) hat mir seinen Besuch in dieser Sache angekündigt, sodass er wohl || „größere“ Absichten hat. Alles in allem hoffe ich doch, dass wir auf diese Weise 20000 M für Schränke zusammenbringen. Ich bereite ferner eine Eingabe an die 4 fürstlichen Erhalter in diesem Sinne vor.

Als zweite gute Nachricht kann ich Ihnen mitteilen, dass unter der Initiative von Rabl eine von sehr vielen Zoologen u. Anatomen unterzeichnete „Erklärung“ in Bälde veröffentlicht werden wird, welche Brass und den Keplerbund scharf verurteilt. Ich hatte ähnliches vor, freue mich aber, dass Rabl mir zuvorgekommen ist, weil die Gegner sonst gesagt hätten, Plate quittirt nur die erhaltene Professur. ||

Ich habe mich sehr gefreut, dass Ihnen bei der letzten Vorlesung und beim Darwin-Vortrag so herzliche Ovationen dargebracht wurden und bin Ihnen speciell auch dafür sehr dankbar, dass Sie meiner in so warmen Worten gedachten und mir dadurch den Übergang so sehr erleichtert haben. Morgen schicke ich Ihnen meine Kaisergeburtstagsrede, wegen deren ich von den orthodoxen Kreisen so wütend angegriffen worden bin, namentlich von dem Hauptblatt der Agrarier (Deutsche Tageszeitung), die dabei || zugleich Stimmung gegen Ziegler zu machen suchten. Ich halte Zieglers Ernennung trotzdem für sicher und nehme an, dass sie jeden Tag erfolgen kann.

Heute über 8 Tage bin ich in Dresden bei Kühnscherf und werde versuchen, was sich erreichen lässt, werdeb aber Ihren Wink betreffs des Ehren Dr dabei beherzigen.

Und nun zum Schluss abermals herzliche Glückwünsche zu diesem bedeutungsvollen Tage. Möge noch viel Sonnenschein || Ihren Lebensabend verklären und möge es mir vergönnt sein, ein wenig in diesem Sinne wirken zu können. Sollte Geh. Rat Meyer am 16/II in Jena sein, so bitte ich mich ihm bestens zu empfehlen.

Meine Frau schliesst sich obigen Wünschen mit ganzem Herzen an und sendet Ihrer verehrten Gattin freundliche Grüsse.

Aufrichtigst Ihr

L. Plate

a eingef.: 200 M … in Leipzig,; b eingef.: werde

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
14-02-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33149
ID
33149