Plate, Ludwig

Ludwig Plate an Ernst Haeckel, Berlin, 16. November 1908

Berlin, Beethovenstr. 1. 16/11

Verehrteste Excellenz und lieber Freund!

Besten Dank für die so erfreuliche Nachricht. Sobald der Ruf da ist, fahre ich sofort nach Weimar (resp. Jena) und hoffe dann alles zu einem guten Abschluss zu bringen. Es ist kein Unglück, wenn die Sache sich bis Mitte Dezember hinzieht, denn bis dahin wird hier im Abgeordnetenhause die Frage der Beamtenaufbesserungen wohl erledigt sein, was für mich nicht ohne Bedeutung ist, da das Wohnungsgeld um 50% steigt (von 900 M auf 1350) || und die Collegiengelder, welche bis dahin an der landwirtschaftlichen Hochschulea zu ¾ vom Staat geschluckt wurden, uns in weit höherem Maße zufallen sollen. Auf solche Verhältnisse müssen die Herren in Weimar doch auch etwas Rücksicht nehmen, wenngleich meine Frau und ich Ihnen in der Berechnung des „Genius loci“ völlig beistimmen und uns sehr darüber gefreut haben.

Für Ziegler werde ich mein Möglichstes tun, um ihn eventuell hierhin zu bringen. Er schickte mir neulich ein Referat für || Archiv für Rassenbiologie und beklagte sich darin bitter über den Gang der Ereignisse. Ich habe ihm gleich geschrieben, dass durch meine Berufung für ihn sich gute Chancen in Berlin eröffneten. Er meinte übrigens selbst, dass wenn ein Anderer ihm vorgezogen werden sollte, ich dabeib zweifellos in erster Linie in Betracht kommen müsste.

Unser Cyclus hat guten Erfolg. Bei Waltherc war der Saal zu ¾ besetzt, bei mir – der ich hier schon wie ein „bunter Hund“ bekannt bin – war er ausverkauft. || Bei Waldeyer und Klaatsch wird es wohl ebenso werden.

Mit herzlichen Grüssen in der Hoffnung auf persönliche Begrüßung in einigen Wochen

Ihr dankbarst ergebener

L. Plate.

a eingef.: an der landwirtschaftlichen Hochschule; b korr. aus: dafür; c korr. aus: Walter

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-11-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33144
ID
33144