Plate, Ludwig

Ludwig Plate an Ernst Haeckel, Berlin, 25. Juni 1898

Berlin, den 25. Juni 1898.

Sehr verehrter Herr Professor!

Ich würde Ihnen dankbar sein, wenn sie bei der Neubesetzung der „Ritterprofessur“ an mich denken wollten. Da sie mich seit meinem ersten Semester (1882) kennen und auch den grössten Theil meiner Schriften besitzen, so füge ich hier nur hinzu, dass ich seit den letzten 2½ Jahren 5 Dissertationen selbständig angeregt und überwacht habe. Zwei davon (Stempell, von Wissel*) erscheinen im nächsten Heft der „Fauna chilensis“, das jeden Tag ausgegeben werden kann. Die dritte ist fertig, aber noch nicht gedruckt; die beiden andern nähern sich dem Abschlusse.

*Beides sind grössere Arbeiten. ||

Aufgrund des reichen Materials meiner Sammlungen würde ich Ihnen auch in Zukunft nach dieser Richtung hin einen Theil der Arbeit abnehmen können. Nach einer Mittheilung von Collegen Kükenthal würde ich mich pecuniär in Jena nicht besser stehen als hier in Berlin, wo ich das Hauptcolleg und die Prüfungen an der Tierärztlichen Hochschule abhalte, aber auch nicht schlechter. Aber in Jena lebe ich jedenfalls in einer anregenderen Atmosphaere, und die Chancen, weiter zu kommen, scheinen mir von dort aus auch grösser zu sein.

Haben Sie die Stelle schon vergeben, so lassen Sie diesen Brief einfach unbeantwortet. || Sie werden zur Genüge mit Briefen überschüttet werden, und nach einer Woche weiss ich dann schon, was Ihr Schweigen bedeutet und erfahre das Weitere durch die Zeitungen.

Mit freundlichen Grüßen Ihr

ergebenster

L. Plate.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
25-06-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33143
ID
33143