Plate, Ludwig

Ludwig Plate an Ernst Haeckel, Berlin, 20. März 1909

Berlin 20/3

Verehrtester und lieber Freund!

Es tat mir und meiner Frau sehr leid zu hören, dass Sie nun schon 4 Wochen von Gelenk-Rheumatismus geplagt werden, denn dabei werden Sie viele Schmerzen auszustehen haben. Aber lassen Sie den Muth nicht sinken; mit dem Frühling und dem milderen Wetter werden Sie auch wieder gesunden. Wegen des Umzugs machen Sie sich keine Sorgen; ich treffe am Donnerstag, meine Frau bleibt noch ein paar Tage hier,a 5/7 in Jena ein und suche Sie dann gegen ½7 auf, um ½ Stunde mit Ihnen zu plaudern, falls es Sie nicht zu sehr angreift. Dann können wir alles bereden. ||

Vielleicht kann ich Ihnen dann den Umzug Ihrer Bibliothek abnehmen, wobei ich dafür sorgen werde, dass die Bücher wieder in derselben Reihenfolge aufgestellt werden. Ich habe schon 12 Kisten mit Sammlungen (Chile, Bahamas) abgesandt, welche zu Dissertationen und eigenen Arbeiten dienen sollen; ich möchte sie in dem Nebenzimmer, wo Ihre Bibliothek sich befindet, aufstellen.

Als Assistenten habe ich vorläufig nur Dr Hase engagirt, da Rauther seine Freiheit nicht gerne opfern will, was ich ihm nicht verdenke. Wenn ich Fritsche und die andern jungen Herren erst kenne, kann einer von ihnen ebenfalls Assistent werden. Einen jungen || Praeparator (Glasmacher mit Namen) vom hiesigen Museum, der gute Zeugnisse hat, bringe ich mit, damit wir jemanden haben, welcher die Objekte unseres Phyletischen Museums aufputzt und ausstellungsfähig macht. Sollten wir in später nicht mehr brauchen, so kann er jeder Zeit wieder entlassen werden.

Unsere Sammlungen haben als „Ehrengabe“ für Sie mehr ergeben wie Sie denken. Ca 20000 M sind hier in Berlin eingegangen und mit Ihrem Vortrage 9–10000 in Jena. Alles in allem werden wohl 30000 M auf diesem Wege eingebracht sein. Über einen in Aussicht stehenden Ehrendoktor = 75.000 M mündlich mehr. || Ich habe 3 sehr strapaziöse Wochen hinter mir, da die Abschiedsfeiern kein Ende nehmen wollten. Ich freue mich auf die Jenenser Ruhe.

Indem wir beide Ihnen und Ihrer Gattinb recht herzliche Grüsse senden und baldige Genesung wünschen

Ihr getreuer

Plate.

a eingef. mit Einfügungszeichen: meine Frau … Tage hier,; b eingef.: und Ihrer Gattin

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-03-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 33136
ID
33136