Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Paul von Rottenburg, Jena, 26. Juni 1906

Jena 26.6.06.

Liebster Freund!

Für Deinen lieben – leider nur zu kurzen! – Besuch in Jena danken meine Frau und ich Dir herzlichst, um so mehr, als Deine schmerzhafte Ischias Dir diesen Abstecher so erschwerte. Wärest Du nicht so sichtlich von diesem Leiden geplagt worden, so hätte ich Alles aufgeboten, Dich noch den folgenden Tag hier zu behalten und mit mir eine Exkursion nach Schwarzburg oder Hummelshain zu machen. Nun müssen wir dieses Vergnügen uns auf Deinen nächsten, hoffentlich längeren Besuch aufsparen. ||

Ich freue mich zu hören, daß auf der Rückreise Deine geliebte Homoeopathie (– Suggestion? –) Dir wieder geholfen hat. Deiner Leidensgefährtin, meiner Nichte, der Dichterin Helene Dahrenstaedt, ist es schlechter gegangen. Ich mußte sie am folgenden Tage, da ihre Ischias sich verschlimmert hatte, in die Privatklinik bringen lassen, wo sie mit „Packungen“ und Elektricität behandelt wird. Sie wird wohl noch eine Woche dort aushalten müssen, ehe sie ihre Reise fortsetzen kann. ||

Von Lisbeth erhielten wir heute einen sehr vergnügten Brief aus Tarasp, wo sie mit ihrem Manne einen Monat Sommerfrische genießen will.

Schwester Röschen, die von den gehäuften Besuchen der letzten Wochen (– namentlich der Pflege der armen Emma –) etwas angegriffen war, hat sich wieder erholt. Sie grüßt mit mir Dich und die Deinigen herzlichst.

Stets Dein treuer alter

Ernst Haeckel.

P. S. Gestern habe ich mit meinem Collegen Knorr (Chemiker) meine erste Automobil-Fahrt gemacht (nach Dornburg und zurück in 1 Stundefamos!! –)

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
26-06-1906
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 32862
ID
32862