Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Paul Rottenburg, Jena, 13. Oktober 1898

Jena 13.10.98.

An Dr. Paul Rottenburg.

Liebster Freund!

Dein so eben (Donnerstag Abend 6 Uhr) erhaltenes Telegramm habe ich sofort beantwortet. Zu meinem größtem Bedauern kann ich Dich nicht zu einem Abstecher nach Jena einladen, da hier klägliches allgemeines Lazareth ist: Meine arme Frau mit heftigem Magen-Katarrh zu Bett, ich lahm auf dem Sopha, Emma in rathlosem Bedauern, Pohle (heute am Fuße operirt) im Krankenhause! || Dazu kommt morgen der neue „Ritter-Professor“ Ziegler aus Freiburg, und soll in das Institut eingeführt werden!! (– Er war noch nie hier!). Es kommt mal Alles „schön zusammen“; das nennt man „höhere Fügung“!! –

Mein Rheumatismus-Rückfall in Folge der Erkältung am vorigen Donnerstag, ist höchst ärgerlich! Aber was hilft aller Ingrimm?

– Schwester Röschen grüßt Dich mit mir herzlichst und bedauert sehr, um Deinen liebenswürdigen Besuch zu kommen. ||

Lisbeth wird sich morgen sehr freuen, Dich in Leipzig zu sehen; ebenso Walter in München (Schwanthaler Str. 84, 3 Treppen, nahe dem Circus Renz, Theresienwiese). Hoffen wir für nächsten Sommer auf günstigere Constellationen!

Ich habe mich aber doch sehr gefreut, Dich in Cambridge, London u. Frankfurt gesehen zu haben.

Stets Dein treuer alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
13-10-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 32803
ID
32803