Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Paul Rottenburg, Jena, 16. September 1898

Jena 16.9.1898.

Liebster Freund!

Es freut mich sehr zu hören, daß es bei Euch endlich besser geht, und daß Deine Häuslichkeit durch die Rückkehr Deiner lieben Frau wieder behaglich wird. Von uns kann ich Dir leider nicht so gute Nachrichten geben. Meine arme Frau bekam in der letzten Woche in Friedrichroda einen acuten Magen-Catarrh, || der auf ihr altes Herzleiden ungünstig einwirkte. Sie liegt wieder seit 8 Tagen zu Bett. Ich selbst hatte in den letzten Wochen noch mit meinem alten Freunde, dem Rheumatismus, zu kämpfen. Ich will daher übermorgen noch auf 4 Wochen nach Baden-Baden gehen, dessen Wildbäder mir schon 3mal sehr gut gethan haben. || Ich werde also erst Mitte Octbr. wieder hier sein. Hoffentlich kannst Du Deine Geschäftsreise nach Stassfurt noch etwas verzögern, damit wir nicht um Deinen lieben Besuch in Jena kommen.

Das Herbstwetter ist jetzt hier wunderbar schön. Lisbeth geht es mit ihren Kleinen in Friedrichroda recht gut. Sie hatte || vorgestern wieder Nachricht von ihrem Mann, der mit der geographischen Ergebnissen seiner Kilimandjaro Reise sehr zufrieden u. auf dem Rückwege begriffen ist.

– Über „Wilhelm den Grössten“, Luccheni, Dreyfuss und andere politische Celebritäten schweigen wir lieber! Das Universal-Irrenhaus wird immer größer! Welche Perspektive öffnet das XX. Jahrhundert der Psychiatrie!!

Mit besten Grüßen

Dein treuer E. Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
16-09-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 32801
ID
32801