Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Paul Rottenburg, Jena, 5. September 1898

Jena 5.9.1898.

Liebster Freund!

Nachdem ich glücklich in das grüne Tusculum der Medusen Villa zurückgekehrt, will ich nicht zögern, Dir nochmals für Deine liebenswürdigen Freundschafts-Dienste, die Du mir auch diesmal wieder in dem brausenden London und in dem Congress-Gewühl in Cambridge bewiesen hast, meinen herzlichsten Dank zu sagen.

Der Samstag (27.8.), den ich mit Dir und Tante Alice im Museum Natural History und in dem höchst opulenten Prinzen-Restaurant verlebt, gehört zu den angenehmsten Erinnerungen dieser angreifenden Reise. ||

Die Überfahrt von Harwich nach London war auf dem überfüllten Schiffe nicht sehr schön; ich siedelte von II. auf den I. Platz über, wo ich wenigstens ein Cabinen-Bett bekam. In Haag blieb ich bei meinem Vetter Mulder 3 Tage, da die rheumatischen Schmerzen im Fußgelenk zunahmen. Es wird noch 8–10 Tage dauern, ehe ich wieder ordentlich gehen kann. Ich bin heidenfroh, daß die Promotion und Adress-Reise nach Cambridge gut abgelaufen ist; ich genieße die idyllische Ruhe unsers Saalthals doppelt. ||

Schwester Röschen, die auch vorgestern aus Friedrichsroda zurück ist, grüßt Dich mit mir herzlichst! Wir bitten und hoffen bestimmt, daß Du uns noch im September mit Deinem lieben Besuche erfreust!

Hoffentlich geht es Deiner lieben Familie auch gut und ist Deine Tochter von dem bösen Rheumatismus (– leider mein alter Quälgeist seit 48 Jahren! –) ganz genesen.

– Ich bleibe jetzt hier und mache Ferien-Arbeiten.

Also auf baldiges frohes Widersehen! Dein dankbarer alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
05-09-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 32800
ID
32800