Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Käthe Besser, Jena, 21. Juni 1901

Jena 21.6.1901.

Hochverehrte Freundin!

Ihr gütiges Anerbieten, mir bei Bewältigung des erdrückenden Berges von Correspondenz und anderen Arbeiten behülflich zu sein, ist höchst verführerisch! Ich könnte mir kaum einen besseren Assistenten und angenehmeren Secretär wünschen. Aber leider gehört auch die Realisierung dieser schönen Fata Morgana zu meinen vielen „Unmöglichkeiten“! ||

Außer den vielen Arbeiten, die ich allein am besten direct absolvire, ist jetzt leider mein schmaler Vorrath von alternden Gehirnzellen auch noch durch viele andere Pflichten u. Gedanken occupirt. Meine arme Frau, die schon im Februar einen bedenklichen Anfall von Herzschwäche hatte, ist jetzt in Folge wiederholter Anfälle sehr leidend; dazu drückt sie die Sorge um die kranke Tochter sehr nieder. ||

Unser einziger Sohn, der Landschaftsmaler (jetzt 32 Jahr alt) hat sich mit einer Münchener Malerin verlobt u. wird im Herbst heirathen. Da sind alle meine weiteren Sommer-Pläne ganz unsicher. Sobald ich sie sicher bestimmen kann, schreibe ich Ihnen.

Inzwischen bleibe ich mit herzlichsten Grüßen an Sie und die Ihrigen

Ihr treu ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-06-1901
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 31826
ID
31826