Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Käthe Besser, Jena, 22. September 1905

Jena 22.9.1905.

Hochverehrte und liebe Freundin!

Beim Lesen Ihres lieben verlockenden Briefes wurde mir ungefähr zu Mute, wie dem Schiffer im kleinen Nachen, und es fehlt wenig, so wäre ich Ihrem „Loreley-Gesange“ gefolgt!

Ich studierte bereits den Fahrplan der Rheindampfer, und die Frage, wo in der Nähe von Bonn ich meine letzten Ferien-Woche zubringen könnte? Da kam die Nachricht [in] die Quere, die mich nach Jena zurück citirte, und so wurde denn wieder einmal ein schöner Traum zu Wasser! ||

Was Sie über das Glück der „leichtsinnigen“ Menschenkinder schreiben, ist gewiß wahr!

Aber ich habe es leider auch zu dieser schönen Eigenschaft des „Leichtsinns“ nie bringen können! Und hier sorgen wieder Berge von Briefen und dringenden Arbeiten dafür, daß ich still sitzen muß!

– Hoffentlich hält das gute Befinden, dessen Sie sich in Adelboden und in Scheidegg erfreuten, dauernd an, und hoffentlich ist auch die Sorge um Ihren lieben Mann gehoben! Ganz „außer Sorge“ kommen wir ja leider nie! Mit herzlichsten Grüßen und besten Wünschen

Ihr alter Verehrer E. Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22-09-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 31821
ID
31821