Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Käthe Besser, Jena, 5. Mai 1908

Jena 5.5.1908.

Hochverehrte Freundin!

Verzeihen Sie, daß ich Ihre beiden letzten Briefe erst heute beantworte; ich befinde mich aber seit einem Jahre in einem solchen Drange von unvermeidlichen Arbeiten und lästigen Geschäften, daß meine Zeit nicht ausreicht, auch nur alle wichtigen Briefe zu beantworten. Besonders den Bau und die Einrichtung des Phyletischen Museums, über das ich Ihnen hierbei 3 Mitteilungen sende, hat mich mit einer endlosen Plage von Sorge und Mühe belastet. ||

Zur erwünschten Ausführung dieses meines letzten Unternehmens sind leider die notwendigen Geldmittel, trotz aller Bemühungen nicht zusammengekommen. Steinreiche Leute und Millionäre, auf deren Unterstützung ich hieher gerechnet hatte – und die für Sport und Luxus Hunderttausende wegwerfen – haben für dieses gemeinnützige und bildungsfördernde Unternehmen Nichts übrig. Ich werde wohl am 30. Juli, wo ich den fertigen Museumsbau der Universität Jena (– die Nichts dazu besteuern kann –) als Geschenk übergeben, die innere Ausstattung der Zukunft überlassen müssen! ||

a das ich noch jetzt – nach 47 Dienstjahren! – hier beziehe.

Mein Sohn, der Landschaftsmaler in München, arbeitet fleißig, verdient aber fast Nichts; und da seine Frau ohne Vermögen ist, muß ich auch diese Familie (mit 2 Töchtern) allein unterhalten. ||

b Erfahrungen, die man im höheren Alter (– leider jedes Jahr zunehmend! –) machen muß, zwingen schließlich zur Resignation!

Indem ich Ihnen von Herzen baldige Besserung wünsche, bleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihr treu ergebener

Ernst Haeckel.

a eine halbe Seite Textverlust durch Papierausriss; b eine halbe Seite Textverlust durch Papierausriss

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-05-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 31815
ID
31815