Haese, Arthur

Arthur Haese an Ernst Haeckel, Magdeburg, 21. November 1893

Magdeburg, d. 21.XI.93.

Leipzigerstr. 28.

Sehr geehrter Herr Professor!

Für Übersendung der Gerichtsverhandlung über die Hamannsche Klage sage ich Ihnen besten Dank. Auch ich wollte etwas in der Sache thun, aber meinen Artikel traf manches Mißgeschick. Ein halbes Jahr lag er in der Redaktion einer Zeitschrift, und ich hatte alle Mühe, ihn nur wieder zu erhalten. Ziemlich ein Jahr liegt er nun in der Redaktion der Lichtstrahlen und alle Bemühungen betr. das Schicksal des Artikels, waren erfolglos. Heute bekomme || ich nun von Teistler einen Brief, der die Sachlage aufklärt. Der betr. Brief liegt bei. Ich habe darauf an Teistler geschrieben, daß die Sache jetzt jede Bedeutung verloren habe, nachdem das Urteil des Gerichts gefallen sei, im Gegenteil noch schädlich wirken könne; er möge auch den Artikel noch sorgfältig durchsehen.

Um Ihnen einen kurzen Inhalt des Artikels zu geben, lege ich Ihnen einen kurzen Auszug aus demselben (für eine pädagogische Zeitung, in der er wegen seiner Fraglichkeit leider auch keine Aufnahme fand) bei. In dem Hauptartikel sind || die Widersprüche und unwissenschaftlichen Ausführungen Hamanns eingehender beleuchtet.

Damit Sie nun über die Sachlage dieses eigenartigen Vorkommnisses orientiert sind, teile ich Ihnen vorstehendes mit, auch zu dem Zwecke, daß Sie vielleicht noch Wünsche in der Sache äußern könnten.

Über das gerichtliche Urteil noch ein Wort zu sagen, ist wohl kaum nötig. Sicher werden Sie sich schon darüber hinweggesetzt haben und Hamann hat eine öffentliche moralische Vernichtung davon getragen. Ich habe mich gefreut, daß Zeitungen aller Art bei dem Berichte || über diesen Prozeß, nur Verachtung für Hamann durchblicken ließen.

In Verehrung und Hochachtung bin ich

Ihr

Arth. Haese,

Lehrer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-11-1893
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 30905
ID
30905