Haacke, Oscar

Oscar Haacke an Ernst Haeckel, Pforta, 8. März 1849

Alter Freund,

Ich bedaure es sehr, daß ich Dir zu Deinem gewesenen Geburtstage nicht gratuliren kämen [!]. Mir war es nehmlich immer, als wäre er den 16. März, als ich jetzt eben durch einen Brief von Otto erfahren habe, daß er Dich an Deinem Geburtstage, den 16. Februar, besucht hat. Ich bringe Dir daher nachträglich die besten Glückwünsche und wünsche, daß Dir alles, was Du vor hast, gut gelingen und daß Du einstmals als ein großer Mann vor der Welt auftreten mögest. Aber vor allen, was ich Dir wünsche, ist doch mein größester Wunsch, daß Du mögest gesund bleiben. Was Pforte betrifft, habe ich Dir bekannt zu machen, daß dies Mal bei uns 15 Abiturienten sind. Alle haben das Examen hinter sich und nächste Mittwoch werden sie Pforte verlassen. Den Montag und Dienstag war bei uns die Prüfung der Abiturienten. – Einer von ihnen, ein gewisser Sezer, war an dem Mittwoch in Merseburg. Nächste Mittwoche ist Valediction. Den Montag und Dienstag in der Fastnachtswoche war bei uns Theater, welches sehr hübsch war. Am ersten Abend sah Herr Cand. Gandtner, der wie Du wohl wissen wirst, zu Fastnachten hier war, || auch zu. Zwei Tage blieb er bei uns und am zweiten gieng ich mit ihm im Schulgarten umher, wo er mir Einiges von Merseburg erzählte. Wie ich gehört habe, so beschäftigest Du Dich recht fleißig mit Deiner Elektrisirmaschine, jedoch habe ich von Edmund erfahren, daß er an diesem Vergnügen nicht mit Theil nimmt. Wie steht es denn bei Dir mit dem Turnen? Ich hoffe, daß Du darauf noch viel Fleiß widmest. Bei uns wird jetzt ungeheuer viel Ball gespielt. Auch sind wir in kurzer Zeit mehrere Male spazieren gegangen. – In meiner Stube ist jetzt Henke aus Merseburg Inspektor; Du wirst ihn wohl schon kennen. – Wir haben noch vier Lektionstage bis zu unsern Examenarbeiten. Von Sonnabend an bis Mittwoch schreiben wir noch vier mathematische Docimastika, vor denen mir es doch etwas grauet, weil ich dieses Semester nicht viel Mathese gearbeitet habe. – Am 21. Februara war hier Schauturnen, || und an demselben Tage führte unser Rektor seine Braut, einb Fräulein von Heindorf aus Mansfeld, als Gattin heim, wo sie von uns feierlich empfangen wurde. – Was das nach Merseburg Kommen betrifft, so werde ich es wohl nur erst an den Hundstagen möglich machen können, weil sonst an den andern Ferien zu wenige Zeit ist. Da ich nun weiter nichts Dir zu schreiben weiß, so verbleibe ich mitc der Hoffnung, daß Du mir bald schreiben mögest

Dein

alter Freund

Oscar Haacke.

Pforta 8/3 49.

Ich bitte Dich nochmals wegen meines Vergehens um Entschuldigung.d

Viele Grüße an meine Freunde.e

[Adresse]

An | Herrn Ernst Haeckel. | Wohlgeboren. | frei. | Merseburg.

a gestr.: März; eingef.: Februar; b korr. aus: eine gew; c gestr.: unter; eingef.: mit; d Text quer am linken Rand von S. 3: Ich … Entschuldigung.: e Text quer am linken Rand von S. 2: Viele … Freunde.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-03-1849
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 30572
ID
30572