Hertwig, Richard

Richard Hertwig an Ernst Haeckel, München, 2. Juni 1889

München d. 2. Juni 1889.

Hochverehrter, lieber Freund!

In Jena studirt jetzt einer meiner Vettern, Fritz Hoffmann. Seine Mutter ist die Stiefschwester meiner Mutter und in unserem Hause aufgewachsen, indem sie als eine Art Pflegeschwester von Oscar und mir von unseren Eltern erzogen wurde. Ich habe dem jungen Studenten Muth gemacht Sie zu besuchen und Ihnen Grüße zu bringen. Auf dem Gymnasium war er äußerst fleißig und gewissenhaft, er wird es wohl auch auf der || Universität bleiben.

Ich habe in Absicht gehabt, der Universität Jena Freund Stahl abspenstig zu machen. Zum größten Bedauern der Münchener ist das nicht geglückt. Wir werden zunächst wohl keine weiteren Schritte thun, sondern im Einvernehmen mit dem Ministerium die Angelegenheit als eine offene behandeln und warten bis wie eine geeignete Persönlichkeit für die Stelle finden.

Vor einer Woche haben wir unseren Buben photographiren lassen. Die Aufnahmen || sind vortrefflich gelungen. Wenn ich die nöthigen Copien erhalten habe, werde ich Ihnen ein Exemplar senden, damit Sie sehen, was für ein lieber Gesell er ist. Leider zeigt die Photographie eine seiner Merkwürdigkeiten, welche Sie besonders interessiren würde nicht. Er hat von seinem Großvater Braun ein Darwin’sches Spitzohr geerbt. Der Photographie werde ich einige microscopische Praeparate beipacken.

Zu Pfingsten werde ich mit Frau und Kind einige Tage nach Feldafing am || Starnberger See gehen. Die großen Ferien werde ich wieder in Berchtesgaden im Hatzelhaus verleben. Haben Sie nicht auch Lust sich in Berchtesgaden einzunisten? Ich würde mich sehr a freuen, wenn Sie sich dazu entschlößen.

Meine Schwiegermutter und meine Frau lassen Sie und Ihre liebe Familie bestens grüßen. Desgleichen grüßt Sie herzlichst

Ihr treu ergebener

R. Hertwig

a gestr.: darüber

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
02-06-1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 30465
ID
30465