WILHELM ENGELMANN
VERLAGSBUCHHANDLUNG
LEIPZIG, DEN 22. Juli 1907.
MITTELSTRASSE 2.
Hochverehrter Herr Geheimrat!
Ew. Excellenz Brief vom 17. dieses mit dem Brief der Rationalist Press Association vom 15. dieses ist mir richtig zugegangen, was ich Ihnen hierdurch mit verbindlichem Dank bestätige. Wie ich darauf ersehe, liegt es in der Absicht der gen. Gesellschaft, von der englischen Volksausgabe Ihrer „Anthropogenie“ eine chinesische Uebersetzung zu veranstalten. Ich werde daher auf Ihren Wunsch der Rationalist Press Association direkt Mitteilung zugehen lassen, zu welchen Preisen ich ihr Klischees von den Figuren und Abzüge von den Tafeln für die genannte Uebersetzung liefern würde, resp. könnte. Ich werde mich || bemühen, möglichst günstige Bedingungen zu stellen, damit dem Erscheinen der Uebersetzung meinerseits keine Schwierigkeiten entgegengestellt werden. Da bis jetzt zwischen Deutschland und China ein Literarvertrag nicht existiert, so ist wohl nicht zu erwarten, dass für den Autor irgend eine Entschädigung für Ueberlassung des Uebersetzungsrechts gezahlt wird. Ich werde zwar der Rationalist Press-Association vorschlagen, dass sie den Chinesen anbieten möchte, die Uebersetzung als eine von dem Autor autorisierte zu bezeichnen, um sie dadurch zu veranlassen, Ihnen eine noch näher zu vereinbarende Summe zuzugestehen. Ob jedoch diese schlauen Herren darauf eingehen, scheint mir sehr zweifelhaft, da es ihnen wahrscheinlich ziemlich gleichgiltig sein dürfte, ob sie eine autorisierte Uebersetzung herausgeben. Nun, sobald ich von der Press-Association Mitteilung erhalte, werde ich nicht verfehlen, Ew. Excellenz davon Mitteilung zu machen.
Sehr intressiert hat mich Ihre Mitteilung, dass Sie mir im Oktober das Manuscripta derb deutsche Volksausgabe Ihrer || „Anthropogenie“ zur eventuellen Annahme anbieten wollen. Ich bin sehr bereit, mit Ihnen dieserhalb in Verhandlungen zu treten und hoffe auch, dass sie zu einem beide Teile befriedigenden Resultat führen werden. Eigentlich wollte ich Sie bitten, mit dem Erscheinen der Volksausgabe noch so lange zu warten, bis die 5. Auflage der „Anthropogenie“ vergriffen ist und wir dann die Volksausgabe zugleich als die 6. Auflage erscheinen lassen. Vielleicht überlegen Sie sich gütigst diesen Vorschlag und teilen mir dann mit, wie Sie darüber denken.
Ihrem Wunsche, 4 Exemplare der 5. Auflage, davon 2 gebunden und zwei broschiert, auf Rechnung des Zoologischen Instituts zu erhalten, komme ich hierdurch nach und erlaube mir, zugleich Rechnung beizufügen.
In aufrichtiger Verehrung und mit hochachtungsvollen Grüssen
Euer Excellenz
ergebenster
E Reinicke
Sr. Excellenz,
Herrn
Geh. Rat Prof. Dr. E. Haeckel,
JENA.
a handschriftlich eingef.: das Manuscript; b korr. aus: die