Berlin N. O. Friedenstrasse 15
d. 15.2.94
Lieber Freund!
Von ganzem Herzen sende ich Ihnen für morgen meine innigsten Glückwünsche; möge es Ihnen u. den Ihrigen fortdauernd wohl ergehen, u. Ihnen noch viele und ungetrübtere Freude als bisher über Ihre Arbeiten beschieden sein. Wie sehr ich mich darüber gefreut habe, daß man in Jena die Gelegenheit ergriffen hat, Ihnen eine kleine Genugthuung für die Kränkungen der jüngsten Zeit zu bereiten, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, denn Sie wissen wohl, daß mir alles Freude macht, was Ihnen Erfreuliches begegnet. Wie gern wäre ich morgen bei Ihnen gewesen, um Zeuge dieser Kundgebungen zu sein, aber die Verhältnisse sind stärker als der Mensch. Jedenfalls werde ich den ganzen Tag im Geiste bei Ihnen sein u. einen guten Schluck auf Ihre Gesundheit trinken. Zunächst auf eina weiteres Vierteljahrhundert, und dann läßt sich weitersehen.
Weitere große Worte will ich nicht machen, auf die Gefahr hin, daß mich Herr Hamann für einen Stümper in der schönen Rede erklärt; ich kann ja auch den Mund voll nehmen, aber nicht, wenn ichb wahre u. aufrichtige Gefühle aussprechen soll. Auch muß ich mich kurz fassen, denn Sie bekommen wohl morgen viel zu lesen!
In herzlicher Verehrung und Liebe
Ihr
getreuer
Ernst Krause
a eingef.: ein; b eingef.: ich