Emanuel Reinicke an Ernst Haeckel, Leipzig, 17. Oktober 1889

WILHELM ENGELMANN

VERLAGSBUCHHANDLUNG.

LEIPZIG, 17. October 1889.

KÖNIGS-STRASSE 10.

Hochgeehrter Herr Professor!

Erst jetzt ist es mir möglich auf den im Laufe des Sommers besprochenen Plan, Ihre Anthropogenie neu aufzulegen, zurück zu kommen. Zwar beträgt der Bestand der gegenwärtigen Auflage noch ca 150 Exemplare, doch soll dies keine Hinderungsgrund sein, Sie freundlichst zu ersuchen die Bearbeitung der neuen Auflage in Angriff zu nehmen.

Wenn ich mich nicht irre wünschen Sie zu dem Zweck einige Exemplare der 3. Auflage zu erhalten. Dieselben stehen Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung und bitte ich mir nur gefl. anzugeben, wieviele ich Ihnen senden soll.

Was nun die illustrirte Ausstattung der neuen Auflage betrifft, so erlaube ich mir schon mündlich mich dahin zu äußern, daß wie dieselbe || so ausstatten müssen, wie der jetzige Stand der Wissenschaft es erfordert. Ich lege es daher ganz in Ihre Hand, wie weit Sie darin zu gehen beabsichtigen, nur möchte ich vorschlagen, daß von denjenigen Abbildungen, die bereits in guter Ausführung in anderen Werken enthalten sind, Galvanos bezogen werden, wenn solche zu bekommen sind. Von den lithographischen Tafeln werden die meisten Steine noch vorhanden sein. Was Sie davon noch verwenden können, würde keine Mühen und großen Kosten verursachen. Auch mit Ihrem Vorschlag, Zeichnung und wohl auch Lithographie durch Giltsch herstellen zu lassen, bin ich ganz einverstanden, besonders schon deßwegen, weil Sie dann weniger Last und Mühe haben. Ich will nur hoffen, daß Giltsch durch Arbeiten aus dem Fischer’schen Verlag nicht so sehr überlastet ist, daß er auch noch Zeit findet Arbeiten anderer Firmen zu über nehmen.

An der typographischen Einrichtung dürfte wohl nichts zu ändern sein, dagegen würde || ich ein mehr gelblich getöntes Papier zu nehmen vorschlagen und auch dafür sorgen, daß der Druck der Textfiguren lichter und klarer ausfällt, als dies bei der jetzigen Auflage der Fall ist.

Ich komme nun zu der Höhe der Auflage und zu dem damit zusammen hängenden Honorar. Für die erstere erlaube ich mir 1500 Exemplare vorzuschlagen und als letzterer M. 75.– für den Bogen anzubieten. Nochmals eine Auflage von 2000 Exemplaren zu drucken, halte ich vom geschäftlichen Standpunkt aus für zu gewagt. Sollte die neue Auflage nicht vorausgesehenden Erfolg haben und sich binnen kurzer Zeit eine weitere als Bedürfnis ergeben, so wäre das zwar sehr erfreulich, aber auf das Ungewisse möchte ich jedoch die Auflage nicht erhöhen.

Das Honorar habe ich nach dem früher vereinbarten unter Abzug der verminderten Auflage berechnet, womit Sie sich wohl einverstanden erklären dürften.

Dagegen stelle ich es Ihnen anheim, sich eine größere Anzahl Frei-Exemplare, ich denke ungefähr || 50 auszubedingen. Da Sie voraussichtlich litterarische Verpflichtungen zu erfüllen haben werden, so dürfte Ihnen damit wohl gedient sein. Ich würde mir dann erlauben, diese Zahl über die normirte Auflage zu drucken.

Wie viel Zeit Sie für die Bearbeitung gebrauchen und wann wir also mit dem Satz beginnen werden, überlasse ich ganz Ihrem Ermessen. Ich denke, daß dafür ein halbes Jahr genügen dürfte und ich um Ostern nächsten Jahres einen Theil des Manuscripts erhalten könnte. Danach würde ungefähr binnen Jahresfrist die neue Auflage erscheinen. Bevor wir jedoch den Satz in Angriff nehmen, wäre es sehr zu empfehlen die neuen Illustrationen fertig zu stellen, damit keine Satzstockung durch etwaiges Fehlen derselben eintritt.

Ihrer gefl. Antwort entgegensehend

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr

ganz ergebener

E. Reinicke.

Herrn

Prof. E. Häckel

i/ Jena.

Brief Metadaten

ID
2937
Gattung
Brief ohne Umschlag
Institution von
Wilhelm Engelmann Verlagsbuchhandlung
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
17.10.1889
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
4
Umfang Blätter
2
Format
14,3 x 22,3 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 2937
Zitiervorlage
Reinicke, Emanuel an Haeckel, Ernst; Leipzig; 17.10.1889; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_2937