Woldemar Koehler an Ernst Haeckel, Marienburg, 7. März 1917

W. KOEHLER’SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG

(F. E. W. KOEHLER)

GERA (REUSS)

UNTERMHAUS

(Westpreußen) Marienburg, 7.III.17.

Im Felde, Birkgasse 22II.

Hochgeehrte Excellenz,

soeben bringt das Hamburger Fremdenblatt ein Bild des von mir so hochverehrten Jenenser Altmeisters aus Anlaß des 60. Doktorjubiläums. Empfangen Ew. Excellenz meine wiederholten innigsten Glückwünsche, möge auch fernerhin ein guter Stern die Lebensbahnen begleiten und alle Ungemach fern halten, zur Freude und zum Stolz der deutschen Wissenschaft und Kunst. – Ich hoffe zuversichtlich mich bald der schönen Wanderbilder mit frischer Kraft annehmen zu können. Erst wollen wir aber die Briten u. alle anderen Widersacher gründlich heimschicken und ein unerschütterliches Fundament für einen ehrenvollen Weltfrieden schaffen und sichern. ||

Man kann sich kaum ein schöneres Lebenswerk denken, wie dasjenige, auf welches Ew. Excellenz heute zurückschauen dürfen. Trotz des Krieges mit all seinen unvermeidlichen Härten bleibt alle Welt auf das schöne, wenn auch tief ernste Bild Ew. Excellenz.

Ich habe in Gera die allerhärtesten Befürchtungen, die auf Vernichtung abzielten, ausstehen und überwinden müssen. Die ministerielle Empfehlung der Wanderbilder, für welche Direktor Kiessler eingetreten war, wurde von seinem Nachfolger im Ministerium Direktor Plähn nicht gewürdigt und mit heimtückisch verschleiertem || Fanatismus bekämpft. Plähn ist der Mann, der niemandem ehrlich ins Gesicht sehen kann. Er schlägt immer errötend die Augen nieder, wenn man ihm begegnet. Ihn plagt das böse Gewissen! – Es ist kein Haeckel-Verleger so teuflisch und mit insgeheimster Niedertracht bekämpft worden, wie es bei mir zutrifft. Die Leipziger Kommissionäre haben dabei eine hoch unehrenvolle und vertrauensunwürdige Rolle a gespielt. Das Leipziger Buchhändlerische Vertretungswesen bedarf einer gründlichen Reformation.

Und nun zum Schluß, Excellenz, ich wünsche von ganzem Herzen, || daß auch die Wanderbilder seinem Schöpfer noch viel Freude bereiten mögen. Auch sehne ich den Augenblick herbei, an welchem ich für das Ernst Haeckel-Museum sorgen kann, so weit es nur irgend in meiner Kraft steht.

Mit den besten Wünschen für Gesundheit und alle Glücksgüter, die Ew. Excellenz nur irgend erreichbar sein können

verharre ich

in alter treuer Verehrung

als Ew. Excellenz

allezeit getreuester Verleger

Dr. W. Koehler.

z. Zt. im Felde.

[Beilage: Sonderdruck aus: Natur und Kultur, München, März 1917: Völler, Franz Josef: Dem Gedächtnis eines Pioniers der Naturwissenschaft (zum 75. von Fr. Eugen Koehler), mit egh. Aufschrift Koehlers]

Sr. Exc. Haeckel, | Jena. | Villa Medusa.

Eile durch die deutschen Auen, treu bewährte Kraft zu künden

Sie kann alles überwinden, – stützt sie sich auf Selbstvertrauen!

W. Koehler

Marienburg, 16.III.17.

Die schönen „Wanderbilder“ werden bald wider flott! Ich muß erst wieder einmal Atem holen, nach dem mißlungenen Geraer Erdrosselungsversuch! (Der auch auf meinem Vater schwer drückte!)

Mit ehrerbietigsten Grüßen

Ew. Excellenz allzeit getreuer W. Koehler

a eingef.: dabei

Brief Metadaten

ID
28816
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Polen
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
07.03.1917
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
4
Umfang Blätter
2
Format
14,5 x 17,8 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 28816
Beilagen
Sonderdruck aus: Natur und Kultur, München, März 1917: Dem Gedächtnis eines Pioniers der Naturwissenschaft
Zitiervorlage
Koehler, Woldemar an Haeckel, Ernst; Marienburg; 07.03.1917; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_28816