Koch-Girl, Helisena

Helisena Koch-Girl an Ernst Haeckel, Augsburg, 15. Februar 1904

15/2 1904 Augsburg.

Sehr geehrter Herr Profeßor!

Heute habe ich Ihr Bild in der Gartenlaube gefunden und darinnen gelesen, daß Sie morgen Ihren siebzigsten Geburtstag feiern; erlauben Sie mir Ihnen dazu meinen herzlichsten Glückwunsch zu senden.

Möge Gott Ihnen noch viele, viele, thatkräftige, geistesfrische frohe Jahre schenken und Sie immer so frohgemuth wie auf diesem Bilde in die Welt sehen; kaum aber hätte ich Sie darnach erkannt, auf einer kleinen Skitze in meinem römischen Skitzenbuch sind Sie noch der blond gelockte Jüngling in dessen Gesellschaft wir mit Schwager Dr. O. Diraf v. Würzburg damals Neapel so schöne, reiche Tage, ungetrübt genießen durften. ||

Frau Hauptmann Blösst und meine liebe Schwester Angelika sind nicht mehr unter den Lebenden. Ich selbst habe vor 3 Jahren auch schon die Linie der 70 Jahre passirt, fühle mich aber Gottlob noch gesund und frisch und hoffe, daß der Herr mir die Freude an meinen 3 Enkelinnen noch einige Zeit genießen lässt. Mein lieber, guter Schwiegersohn Major Kanz ist seit einem Jahre von Berlin nach München versetzt und ist mir der Genuß des Zusammenlebens mit meiner Tochter Schwiegersohn u. Kindern dadurch sehr erleichtert; nebenbei Kunstgenuß und hier in Augsburg noch immer etwas Übung in der Kunst möglich. Die herzlichsten Grüße sendet hochachtungsvoll

Helisena Koch-Girl

[Beilage: Porträt von Ernst Haeckel, Rom 1859]

Ernst Heckel

Rom H. Girl

1859. März

Aus meinem römischen Skitzenbuch

Helisena Girl

 

Briefdaten

Gattung
Empfänger
Datierung
15-02-1904
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 28611
ID
28611