Kükenthal, Willy

Willy Kükenthal an Ernst Haeckel, Ternate, 16. Februar [1894]

PROF. DR. W. KÜKENTHAL

JENA.

Ternate den 16 Febr.

Hochverehrter und lieber Herr Professor!

Empfangen Sie nochmals nachträglich meine herzlichsten Glückwünsche zum heutigen Tage. Freilich werden sie erst spät in Ihre Hände kommen, seien Sie aber versichert, daß ich am heutigen Tage oft Ihrer gedacht habe und daß es mein innigster Wunsch ist, daß Ihnen noch eine lange, lange Reihe glücklicher Lebensjahre beschieden sein mögen.

Das Telegramm von Treub und mir aus Batavia wird hoffentlich || rechtzeitig in Jena angekommen sein.

Erst seit ein paar Tagen bin ich wieder in Ternate zurück, 22 Tage weilte ich in Halmahera und habe Streifzüge ins Innere dieses merkwürdigen Landes gethan. Vieles habe ich gesehen und manches erlebt, oft kommt es mir wie ein Traum vor, daß ich, der ich noch vor 4 Monaten in Jena saß, nun eine Tropeninsel durchstreifen kann, die vielleicht das schönste bietet, was die Erde aufzuweisen hat. Nicht nur die Vegetation ist || unvergleichlich großartig, auch das landschaftliche, das sonst in den Tropen wenig hervorragendes zeigt, ist hier von einer zauberhaften Schönheit. Ich habe auf Halmahera an dessen Ostküste einen Bergstrom befahren, der aus einer etwa 400 Fuß hohen Höhle herabbraust, die Ufer, die kurz vorher noch vom üppigsten Urwald begrenzt waren sind jetzt nacte Felsenmauern, die a anfänglich oben noch offen sind und etwas Himmelslicht hineinlassen, sich dann aber schließen und ein ungeheures Gewölbe von unbekannter Ausdehnung darstellen. Auch die Bewohner Halmaheras sind äußerst interessant. Ausser den Alfuren fand ich noch Reste von einer || anscheinend sehr alten Bevölkerung die sich Sarvays nennen, Waldmenschen sind, und auf sehr niedriger Culturstufe stehen. Ich habe Photographien von diesen Leuten anfertigen können.

Doch das und noch vieles andere kann ich Ihnen noch ausführlich in Jena schildern. Oft kommt mir der Gedanke, wie schön es sein wird, wenn ich erst wieder zurückgekehrt sein würde. Wie Sie wohl denken können ist meine Sehnsucht nach Jena oft groß, denke ich aber daran, was es hier noch alles zu thun giebt, so werde ich dieser Anwandlungen bald Herr.

Nun lieber Herr Professor leben Sie wohl, grüßen Sie bitte Ihre Familie sowie unsere Freunde und in gutem Andenken

Ihren getreuen

Kükenthal.

a gestr.: oben

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-02-1894
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 28398
ID
28398